Mittwoch, 3. Juli 2013

griechisch büffeln, schwimmen, tanzen, singen, wandern, essen & trinken, rembetiko, aikido: SYROS







teilnehmerInnen aus 11 verschiedenen ländern die alle dasselbe wollten: griechisch lernen.



wir kennen es alle: das leben an sich ist ausserordentlich. immer. wenn wir es in unserem alltag nicht bemerken, zeigt sich das von zeit zu zeit in ereignissen, die wir auf grund unserer geschichte als besonders empfinden, einem höhenflug, einem tiefgang, einem augenblick JETZT! ein solch besonderes ereignis, erfreulicherweise einen höhenflug, erlebte ich in meinem geliebten griechenland auf syros. ein freund bemerkte: "bezahlt werden um griechisch zu lernen. und das zwei wochen lang!" wie es dazu kam? auf meiner reise von griechenland zurück in die schweiz letzten juni lernte ich auf dem schiff ein ehepaar aus österreich kennen. wir verbrachten eine wunderbare zeit, blieben in kontakt und trafen uns wieder. bei gelegenheit kamen wir auf grundtvig - lifelong learning* zu sprechen. "ah, das ist was für dich!" sagte sie. sie selbst war vor 2 jahren an einem griechisch-sprachkurs und zeigte sich total begeistert. "die kosten für reise, unterkunft und den workshop werden übernommen. die einzige bedingung ist, dass du am schluss einen bericht schreibst und die nächsten 3 jahre keinen kurs besuchst."

bei meinen recherchen auf der homepage von grundtvig stiess ich auf unglaubliches und wunderbares, so dass ich mich für einen sprachkurs mit dem titel "greek language and culture through the eyes of immigrants" bewarb UND, oh freude! als eine der 17 teilnehmerInnen aus 11 europäischen ländern angenommen wurde.

der workshop wurde von vardakeios scholi of ermoupolis** organisiert, einer non-profit-organisation (bestehend seit 1872), die kostenlos sprachkurse in griechisch und englisch für immigranten und einheimische anbietet. für grundtvig haben sie einen workshop mit dem titel: "learning the greek language and greek culture through the eyes of immigrants" ausgeschrieben, der neben dem täglichen griechischen unterricht ein komplettes kulturelles programm in griechischer sprache anbot.

die reise begann viel versprechend beim einstieg ins flugzeug. mein sitzplatz in den hinteren reihen war schon besetzt und überhaupt war ich plötzlich die letzte, die ratlos im korridor stand und sämtliche blicke von passagieren eines vollbesetzten flugzeuges auf sich spürte. souverän nahm mich der steward mit nach vorn und wies mir einen platz in der ersten reihe zu. tja, das ist ein angenehmes fliegen in der business-class, zwei menues zur auswahl, vor- und nachspeise, richtiges geschirr. ich habe es genossen und betrat als erste den griechischen boden!

wie auch schon fuhr ich mit dem bus vom flughafen ins hotel im hafen vom piräus. "vor 3 jahren stand man hier im stau. es war kein durchkommen. heute, schau dir das an, leere strassen, um diese zeit! die leute haben kein geld mehr..." erzählte mir der busfahrer, ein gemütlicher grieche, der, da die automatische ansage ausfiel, geduldig den touristen half, bei der richtigen haltestelle auszusteigen.

die erste nacht verbrachten wir im hotel electra. unsere griechisch lehrerin und mitorganisatorin des workshops eugenia empfing mich aufs herzlichste. meine zimmergenossin für zwei wochen war eine soziologin aus ungarn. um es kurz zu machen, der müllwagen stand mindestens 3 mal unter unserem fenster und leerte die niemals leer-werden-wollende kontainer. der lärm war höllisch, die mücken ausdauernd, die sommerliche wärme total ungewohnt, die wasserspülung der toilette im badezimmer gurgelnd. die nacht war lang, der schlaf kurz.




syros, trockene insel.




die versöhnung kam mit der schifffahrt nach syros. sonne, meer, parea (gruppe von freunden). 17 teilnehmerInnen aus 11 verschiedenen europäischen ländern allen alters, mit griechisch-kenntnissen auf unterschiedlichen levels. ich selbst war zuletzt vor ca 25 jahren und auch nur etwa 2 jahre im griechisch unterricht, und etwas besorgt darüber mithalten zu können. seither nämlich war ich zwar manches mal in griechenland, habe aber die sprachlichen studien nicht ernsthaft weiter vertieft (was heisst: wörter und grammatik büffeln, sprachkurs belegen etc), dafür habe ich viele stunden auf den berühmten, unbequemen griechischen stühlen verbracht und der jeweils griechischstämmigen parea in ihren unterhaltungen gelauscht. das schult das ohr. und erstaunlicher weise versteht man dann plötzlich ganz viel, ohne dass man die worte kennt oder sie selber sprechen könnte.





blick auf syros und den hafen.


 

wir verbrachten eine herrliche zeit und ich staunte jeden tag viele male. unser hotel hiess ebenfalls electra, zufälligerweise, geführt von herzlichen gastgebern. das frühstücksbuffet war reichhaltig, die paralia (der strand) vor der tür, so dass es jeweils auch für ein morgendliches bad reichte.





täglicher badeplatz 





ungewohnte strandparea
die eine geschichte ist, dass da sehr wohl weibchen waren. insgesamt eine kolonie von 6 enten, vier davon jedoch plötzlich verschwanden und vermutlich einem kochtopf zum opfer gefallen sind. die andere geschichte ist, dass sie ein enten-weibchen ansiedeln wollten, die enten-männchen damit aber nicht einverstanden waren und das weibchen kurzerhand ersäuften.



es hat mir ungemein viel freude bereitet schwitzend im schulzimmer zu sitzen, mit der grammatik und den verben zu ringen, leicht zu verzweifeln weil ich keinen fortschritt bemerkte, um dann doch überrascht zu sein, wie gut es noch ging.





innenhof der schule mit blick in den griechischen himmel. 




 jeden morgen von halb zehn bis halb zwei, exkl. hausaufgaben. hat spass gemacht.




über syros lässt sich viel interessantes erzählen. besser noch lässt es sich nachlesen, zum beispiel im internet und noch besser vor ort erleben. soviel sei hier gesagt, dass syros durch die zeit hindurch mancherlei erlebt und erfunden hat. heute leben ca. 25 000 menschen auf der insel, davon der grösste teil in ermoupoli, einer modernen stadt mit herrlichen neoklassizistischen villen, hochschule, krankenhaus, kasino, theater, kino, einem kleinen flughafen und berühmter schiffswerft. ausserdem ist ermoupoli verwaltungssitz der kykladen. aufgrund all dessen lebt die insel nicht hauptsächlich von ausländischem tourismus, und ist daher eher ruhig, authentisch und empfehlenswert für reisende die gerne unter griechen weilen.

zurück zu unserem workshop: wir haben griechisches essen gekocht, allerhand traditionelle köstlichkeiten probiert, griechische tänze geübt und getanzt! gesungen, getrunken, gelacht, gekeucht, geschwitzt, uns gefreut. wir sind gewandert, haben kulturelle schätze bestaunt, uns in die geschichte vertieft. wir haben wunderbare menschen kennengelernt. haben schicksale über immigranten in griechenland gehört, schwieriges, berührendes. wir haben märchen aus aller welt gelauscht, uns dem rembetiko hingegeben... ach... und uns ins kühlende meer geworfen, viele male. es war einfach herrlich und wunderbar!
 



das theater apollo in ermoupolis ist eine mini-ausführung der scala milano. 






das kennenlernen der griechischen küche gehörte auch ins programm.
hier bei der zubereitung von kefkedes. 





johannis fest. es ist ein traditioneller brauch, dass die kinder übers feuer springen.





schönes im heutigen kaffee megaron in ermoupolis. eleganz...




 
...und noblesse. schönes auch im 5-stern-hotel ploes





der harte kern wollte es wissen, und ging unter grösster hitze die vor hunderten von jahren in die felsen eingeritzen
schriften bei grammata beach ansehen, währenddem sich der grösste teil der gruppe am strand und im wasser räkelte.





besuch in der loukoumi-fabrik. loukoumia sind gelee-ähnliche süsse stückchen 
mit verschiedenen aromen, manchmal bestückt mit mandeln oder pistazien.



ja, und dann wurde die parea verabschiedet. so manche schluckten und schauten plötzlich etwas ernst. "wenn du in italien, deutschland, belgien, rumänien, lettland, litauen, ungarn, der schweiz, spanien, tschechien, luxemburg bist, komm vorbei! - respektive: kommt bald wieder nach syros - wir warten auf euch." wir vereinbarten, ein forum auf facebook zu erstellen und zu dianas hochzeit in rumänien zu reisen, also: in kontakt zu bleiben.

ich blieb noch einen tag länger. die hotelbesitzer überliessen mir vertrauensvoll das hotel. für eine nacht war ich die einzige gästin.




bye bye - herr lakos der sich zur aufgabe gemacht hat einen teil des strandplatzes zu betreuen, sauber zu halten und zum besten zu schauen verprach der parea, er würde mit der griechischen fahne, die er täglich um 7 uhr morgens aufzieht und um 18 uhr abends wieder runter holt,  zum abschied grüssen. und: er tat es tatsächlich. auch, als ich nächstentags alleine abreiste.




bei gelegenheit hatte ich von eugenia erfahren, dass es in syros aikido gibt. meine freude war gross. sie brachte mich mit jannis, einem der mitglieder in verbindung. durch ihn erfuhr ich, dass die lehrerin agapi heisst (liebe), leider gerade abwesend war, und von einem dojo in athen kommt, wo ich zufälligerweise auch schon war. also wagte ich am letzten abend einem training beizuwohnen. es war ca 40 grad in der halle, die auch als fitnessraum dient. die matten werden zu jedem training ausgelegt, o'senseis' bild auf- und nach dem training wieder abgehängt. im sommer schwitzen sie gerade mal 1 stunde, dafür in rasantem tempo.
es war ein erlebnis, es war mir eine freude, und das wasser lief aus allen poren.




die trainingsgruppe war, vielleicht wegen der hitze, klein.
das bild von osensei im hintergrund.



in der schweiz, so vernahm ich, fiel auch der sommeranfang ins wasser, 10 grad celsius. "kaze edo! bleib hier. warum willst du zurück? wir mögen etwas verrückt sein, aber, ist das ein leben dort?"

ja, das frage ich mich auch.



 "...syros ist etwa der nabel von griechenland, die hauptstadt der eleganz und noblesse. keiner könnte sich vorstellen, eine solche welt auf einem kahlen felsen inmitten der ägäis zu finden!"

 theophile gautier (1811 - 1872) 


ja, das sage ich auch.

wer eine ähnliche erfahrung machen möchte: vardakeios scholi bietet im august griechisch kurse für anfänger und fortgeschrittene an, inkl. kulturellem programm. infos siehe weiter unten. 

ich danke von herzen eugenia und ihrem team von der vardakeios scholi in ermoupoli und der parea für diese wunderbare erfahrung. und wünsche: auf wiedersehen! 

thank you all, dear friends, for this extraordinary experience! 

τα λέμε και καλή τύχη!




workshop team: v.l.n.r.: melina, eugenia, anna


euch allen einen guten monat juli. und möge der sommer nun endlich auch in die schweiz kommen.






*grundtvig workshops: es gibt weit mehr wie griechisch lernen. http://ec.europa.eu/education/grundtvig/workshops_de.htm 

**vardakeios scholi: abgesehen von den sprachkursen, ist vardakeios scholi auch begegnungstätte. es werden erfahrungen zwischen einheimischen und immigranten ausgetauscht, theater- und handwerks-workshops angeboten, exkursionen, sowie kulturelle und soziale aktivitäten. leider hat die krise auch die schule erfasst und die fortführung des unterrichts ist längerfristig nicht gewährleistet. aufgrund dessen sucht die schule nach möglichkeiten der selbstfinanzierung und möchte in zukunft ein sprach-und-kultur-angebot für feriengäste anbieten. 
http://www.vardakeios.gr/greek_language_courses_summer_2013/?lang=el
http://vardakeios.wordpress.com/

syros: http://syros-online.com/ 



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wenn nicht anders vermerkt: fotografien/texte©grüner atem/sandra dominika sutter



Sonntag, 23. Dezember 2012

stacheldraht und wüstenwind









blick durch das fliegengitter auf tel aviv vom integral dojo aus gesehen


der waffenstillstand zwischen israel und gaza wurde einige tage vor unserer abreise beschlossen. also reisten wir. wir, das war eine gruppe von ca 10 aikidokas unter der leitung von patrick cassidy von aikido montreux*, inkl. zwei amerikanischer freunde die ein paar tage zuvor von der westküste eingeflogen waren.
der flug war fantastisch - ich hatte einen fensterplatz und genoss die sicht auf mein geliebtes griechenland von hoch oben und ja, da waren momente eines leisen zweifels, ob ich den richtigen zielflughafen anpeile... kurz vor der landung in tel aviv gewitterwolken, etwas schütteln und rütteln - ich mag das eigentlich ganz gern, sofern es nicht den ganzen flug über andauert - und dann waren wir dort. 

natürlich hatte ich meine bedenken, ob es angebracht ist in ein land zu reisen das sich gerade im kriegszustand befindet, resp. bei dem man nie weiss, wann es wieder losgeht oder was als nächstes geschieht (terroranschläge). und natürlich spürte ich, teils kollektive, teils persönliche angst und anspannung in der woche vor der reise. was, wenn das bisschen leben, das man ist in gefahr gerät und gar stirbt?... nicht zu gehen wäre vernünftig, hörte ich von angehörigen oder bekannten sagen. das sagte ich auch, nur, unter allen bedenken war ein ruf. also ging ich. und mit meinen ersten schritten auf israelischem boden verflog, was allenfalls an zweifel oder ängsten noch da war.

miles kessler, dojo-cho vom integral dojo* in tel aviv und einige seiner uchi-deshis (live-in-students) hiessen uns am flughafen willkommen, und führten uns in ihr dojo mitten in der stadt, wo wir am abend das erste training hatten und auch übernachteten. das vorgesehene reiseprogramm war: tel aviv, westbank ramallah, jerusalem, retreat am toten meer. die leitung für die reise und trainings hatten patrick cassidy und miles kessler gemeinsam.





erstes abendessen im nahen osten - es war lecker!
nur, meine liebe für gepflegtes essen wurde total in frage gestellt





integral dojo tel aviv




nachtlager am frühen morgen im dojo





tel aviv beach



am zweiten abend fuhren wir mit einem kleinbus nach ramallah (aikido without borders*) zum training. ja, es war ein besonderes gefühl, den mauern mit stacheldraht entlang, an soldaten mit gewehren vorbei von jerusalem her in die deutlich staubigere westbank zu fahren, bei der grenzüberquerung in stockendem stau kaum vorwärts zu kommen. ich spürte ein allgemeines leises aufatmen, als die fahrt wieder schneller wurde und die strasse freier. überhaupt war da plötzlich ein eindeutiger geschmack von freiheit





abendessen in der westbank. war lecker UND übersichtlich



nach einem kleinen abendessen und einem spaziergang durch down town ramallah - sauber, modern, voller leben, gute atmosphäre - fuhren wir nach bir nabalah einem dorf nahe der stadt, ins taj mahal, einem modernen komplex der für hochzeitsfeste und drei mal die woche als trainingshalle für aikido benutzt wird. wir wurden aufs herzlichste empfangen. es gab ein kinder- und ein erwachsenen-training. die gruppen sind übersichtlich und noch im aufbau. mädchen oder frauen trainieren nicht. das hat damit zu tun, dass es noch keine aikido-lehrerin vor ort gibt. zusammen mit den männern oder buben zu trainieren kommt aus religiösen gründen nicht in frage. zugegeben, fühlte ich mich unter soviel männerpräsenz (der ganze dorfrat kam zur feier des tages und wohnte den trainings als zuschauer bei) nicht ganz am richtigen ort, obwohl ich nicht die einzige frau in der gruppe war. wie dem auch sei. es war berührend die jungen und auch zum teil erstaunlich älteren aikidokas so motiviert, neugierig und begeistert bei der sache zu sehen. es war schön. spät in der nacht fuhren wir zurück nach jerusalem. der geschmack der freiheit blieb zurück in der westbank.





die goldene kuppel - blick auf den felsendom


ja, jerusalem - die schöne, die heilige - ich war beeindruckt. so viele gebete wie sie dort jeden tag gebetet werden. das ganze jahr hindurch. seit so vielen jahren. wie wohl würde die welt aussehen ohne sie? in der grabeskirche fühlte ich mich verbunden und aufgehoben mit der warmen, wohlwollenden erdenergie. an der klagemauer erlebte ich in einem inneren bild, wie die mauer sich auflöste, und sich ein warmes, goldenes licht mit mir verband, unaufdringlich aber eindeutig. was klagen wir!? erlöst sind wir bereits... der segen kam postwendend von oben in form von drei wohldosierten tropfen taubendreck. immerhin war die taube weiss.

und immer wieder fand der ruf vom himmel auf die erde - allahu akbar! - warf sich in den herzensraum und schallte zurück in die weite des universums, genauso wie das glockengeläut, und das leise schluchzen von sich drehenden körpern vor der mauer, deren gesichter in zerfledderte gebetsbücher gelegt. jerusalem! die heilige, die schöne! - stadt des friedens.





kuppel in der grabeskirche




verewigte spuren der kreuzritter




klagemauer - die seite der frauen




dem heiligtum ein bisschen näher




  und endlich von ganz nah


und dann eben der felsendom. ich sass mit dem rücken an die mauern der moschee gelehnt in herrlichstem, himmlischsten frieden. auch hier spürte ich ein licht, klar weiss, rein, das mich ins innere des gotteshauses nahm, einsog sozusagen, durch die mauern hindurch, ohne dass ich etwas gemacht hätte. sehr besonders. also sass ich mit geschlossenen augen, ganz eins mit DEM in meinem herzen, als mich ein führer ansprach: "du darfst hier nicht beten. deine kirche ist dort drüben, geh dorthin zum beten. dieser platz ist nur für moslems!" - nun ja, in gewisser weise hatte er recht... erstens westliche frau und dann nicht mal muslima... aber habe ich eine bestimmte kirche? GOTT ist überall oder nirgends, und ganz bestimmt ohne vorlieben, sonst wäre ER nicht sich selbst... IHM sind alle willkommen, oder? und überhaupt, woher wollte der führer wissen, dass ich mit IHM war? wir kamen ins gespräch. er war freundlich, wenn auch sehr bestimmt. schlussendlich fand ich heraus, dass ich wohl dort sitzen darf, aber nicht mit geschlossenen augen. "in 10 minuten machen wir zu, dann musst du sowieso gehen!" "salam maleikum!"  "maleikum salam!"





realitäten: raus kommt man nur auf verlangen. rein mit einem zahlencode der regelmässig geändert wird



 

stacheldraht zum schutz von wem?


für unser aikido retreat ging die reise in die wüste ans tote meer. unser resort, mit einer kleinen militärstation gleich neben an, war gut eingezäunt mit stacheldraht, wenn auch mit einem kleinen loch an einer stelle, und hatte sicht aufs tote meer und jordanien. wir waren eine gruppe von etwa 50 menschen aus israel und dem rest der welt. und wir arbeiteten mit gegensätzen. einige unserer freunde aus der westbank nahmen auch teil, zum ersten mal. zwar passierten sie den grenzposten nicht ohne schikanen, aber sie passierten ihn. und es war berührend zu erleben, wie aikido grenzen zu überschreiten möglich macht. wir hatten freude, wir waren berührt und beglückt, wir bewegten und liessen uns bewegen. wir gingen durch widerstände und schwierigkeiten. wir erprobten das neue. es ging tief. es war schön.



lieber vor dem zelt...




oder vor dem abendhimmel?
der platz fürs gruppenfoto will gut gewählt sein.




wüstenidylle - unser trainingszelt in der nacht



man muss in der gleissenden sonne gedürstet haben, in der kühle der nacht gesessen, man muss die zyklen des lichtes auf dem stein beobachtet haben, um etwas von dem geheimnis der wüste zu erfahren. so sass ich inmitten was einmal meer war, den atem der wüste auf dem gesicht, und schaute aufs trockene land. gedämpfter motorenlärm von irgendwo her, das rascheln einer plasitktüte. vögel flitzten vorbei oder trippelten piepend über den steinigen boden: "wer bist du, wer bist du!?" stein und staub. blaus und brauns. licht. stille. nichts. mein körper wurde zu einem weiten raum ohne form und grenzen, weites leer, durch das schriftzeichen zogen, arabische und hebräische, von rechts nach links... "wer bist du, wer bist du!?"




ein heiliger berg von vielen




blick auf das tote meer und jordanien



meine grösste überraschung war - dass ich die stille der wüste ähnlich empfand, wie jene, die ich manches mal bei mir zu hause in gaicht erlebe - nachts - wenn das getriebe des tages seine ruhe findet, der mensch schläft und die sterne lautlos auf die erde leuchten... eine stille, wie wenn eine unsichtbare hand den ton ausgeschaltet hat...





ich wünsche allen eine gesegnete, leuchtende weihnacht 
und alle guten wünsche für unser nächstes abenteuer 2013. 



was wir tun können?
den sprung ins ungewisse wagen
und 
-
fliegen.








*wer gern mehr über diese art des aikidos erfahren möchte oder nächstes jahr mitkommen:
http://www.aikidomontreux.com 
http://www.theintegraldojo.com
http://www.aikidowithoutborders.org



sämtliche inhalte dieses blogs unterliegen dem copyright. sofern nicht anders beschriftet: fotografien/texte©grüner atem/sandra dominika sutter
 

Sonntag, 18. November 2012

streiks und klostersegen







im bus unterwegs nach athen




mondsichel -
du hauch im wolkenlosen blau
dünn und weiss.

hellgrüne netze -
und rote harrasse
gefüllt mit schwarzen früchten.
olivenernte.






klosterberg im grünen gewand

 



aussergewöhnliches frühstück vor der abreise





mein aufenthalt im kloster war schön. die freude des wiedersehens gross. die herzlichkeit der schwestern berührend wie immer. ich erlebte schöne, reiche tage mit lesen, gesprächen, gottesdiensten, arbeit. manche tage waren wunderbar mild, andere regnerisch, die nächte waren meist schon winterlich kalt. und so verging die zeit und meine abreise nahte. im kloster gibt es weder radio noch fernsehen. diesmal gabs auch nur sporadisch eine internet verbindung. so lebt man ohne die weltlichen schlachten nur mit den eigenen innerlichen dramen. angenehm oder nicht, in gewisser weise jedoch ruhiger. 

ich also blieb ohne sorge über meine rückreise, bis mich am vorabend meiner abreise ein anruf aufs handy aus der schweiz erreichte. ob ich denn überhaupt zurückkomme und wann. ja, ja, die ganze woche schon streiks: busse, taxis, metro, flughafen... wurde mir bei schlechter verbindung erzählt. natürlich bekam ich es mit einer gewissen unruhe zu tun. schliesslich war ich 300 km vom flughafen entfernt in den bergen und noch nicht lange genug im kloster, als dass mein gottvertrauen, den öffentlichen verkehr betreffend, schon ganz ausgereift gewesen wäre... auch die zuversicht der schwestern konnte mich nicht ganz und gar beruhigen. der langen rede kurzer sinn - ja es wurde gestreikt, bei der metro zum beispiel, aber sonst: meine reise zum flughafen lief reibungslos. der bus fuhr pünktlich wie üblich und erreichte athen ohne verspätung. und der airport-express war dermassen blitzgeschwind, dass ich 3 stunden zu früh in der abflughalle sass. auch beim flug gab es keinen rückstau... alle sorge umsonst. 



ja, mit einem klösterlichen segen reist man in gottes schützender hand. 






unterwegs nach athen




das andere griechenland bild von unterwegs




unterwegs nach athen



wann ich dann wiederkomme, fragten sie mich beim abschied. se perimenoume - wir warten auf dich! - eigentlich war schon bald ein aikido-retreat in israel geplant. wie es in griechenland weiter geht, weiss niemand. wie es zur zeit im nahen osten steht hören wir in den nachrichten oder lesen es in der zeitung. es fehlen mir die worte, etwas darüber zu sagen.

aber einen wunsch habe ich: schicken wir unsere liebe und unser licht an alle menschen die am konflikt beteiligt und davon betroffen sind. an die soldaten und bombenwerfer, an die zivilisten, an die machthaber und entscheidungsträger, an die rechtsradikalen, ultra-orthodoxen, linksorientierten, an die ärzte, die opfer, die hinterbliebenen, frauen, kinder, männer. in israel, im gaza, in syrien, im nahen osten überhaupt. 





"die liebe ist die grösste dynamik im ganzen universum." annette kaiser.






Frieden
Wenn Seele still
Ganzer Mensch still
Dann Weltfrieden

Tetsuo Roshi





ich wünsche uns allen frieden.




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oder nach hinweis.


Dienstag, 30. Oktober 2012

stilles griechenland

 

die stadt lag da - weiss und still wie schnee.
und wie es schien, ohne leben.
verlassen und leer auch das meer.
ich entdeckte kaum boote darin.
diese leere – dieses dumpfe – so gut sicht- und spürbar
selbst von ein paar metern über der erde.
was für eine seltsame stimmung, im warmen, goldenen herbstlicht.

athen – anflug auf den flughafen






abendstimmung mit sicht auf tolo.



ein flecken frieden.
orangenblütenduft bis in den schlaf, in den traum hinein.
stille.
und sterne, die auf den dunklen hügeln tanzen.

marathia






abendstimmung bei marathia



palamidi-festung - herrschaftlich und stolz strahlt sie im scheinwerferlicht aus der alten zeit in die moderne.
mondsichel schmal und weiss daneben.
und dazu leuchtet im neonlicht ein kreuz auf der kuppel einer kirche.

nafplion by night





hier bin ich also wieder in meinem geliebten griechenland, wenn auch nur ferienhalber. mein bruder hob die brauen ob meiner bemerkung: „ferien... das machst du doch ständig!“ na ja, sicher eine frage des standpunktes und der sichtweise. wie dem auch sei. am 28. war ochi-tag – nein-tag. vor einem jahr reiste ich bei strahlender herbstsonne auf leeren strassen im bus vom flug- zum schiffshafen meiner winterlichen auszeit entgegen. in diesen tagen haben wir richtigen herbststurm mit hohem wellengang. das tut dem täglichen bad nichts ab. luft- und wassertemperaturen sind immer noch sehr mild. was für ein segen, wenn ich bedenke, dass sich die schweiz bereits am ersten schnee erfreut...




etwas wellengang - blick richtung hydra



vor fast zwei wochen bin ich angekommen und war in der nähe von nafplion bei einem paar aus österreich eingeladen. ich verbrachte eine wunderbare zeit mit der parea und in einer gegend, die ich vor 20 jahren das letzte mal besucht hatte. jetzt bin ich gerade ein paar tage in ermioni, wo ich letzten winter haus, katzen, hund und schildkröten eines freundes gehütet habe. die wiedersehensfreude war gross – alle katzen haben den sommer überlebt, grumpy erfreut sich bester gesundheit (siehe blog vom 27. mai 2012) und die schildkrötenkolonie ist um zwei stück auf fünf gewachsen. was aber für eine freude war es thalia wieder zu sehen! beide waren wir total aus dem häuschen... 



  
my one and only





thalia - bereit für die grosse reise




abgesehen von der persönlichen freude des hierseins erscheint mir die stimmung in griechenland aussergewöhnlich still. es kommt mir vor, wie wenn das ganze land den atem anhält... die bar nebenan zum beispiel, ist bereits nur noch freitag und samstag in betrieb und auch in diesen nächten schlafe ich ohne störung von äusserem lärm ohr-stöpsel-frei. die strassen sind erstaunlich leer. die leute sparen am benzin und fahren neuerdings wieder mehr rad, sagen sie. der sommer war wie ich hörte "etsi-ketsi", sosolala, aber nicht so schlecht wie befürchtet. die sorge gilt dem winter. es wurde mir eine geschichte erzählt, in der ein alter grieche um 2 euro bat, weil er schon zwei tage nichts mehr gegessen hatte, und jene von einem bauern, der seine orangen am baum hängen lässt, weil er nur noch 15 cents für ein kilo bekommt, was sich mit der arbeit für die ernte und die kosten für den transport nicht auszahlt
ab und zu kommt ein segelboot in den hafen - aber wirklich viele touristen sieht man nicht mehr. auch der freund ist bereit für seine reise in den norden. (haus, katzen und schildkröten werden dieses jahr von einem gemeinsamen freund der sonst auf dem boot lebt gehütet und versorgt.) wegen des wetters hat sich die abfahrt um einen tag verschoben. überraschender- und freundlicherweise hat anek lines ihre passagiere telefonisch über die verzögerung informiert. ja. es hat die palmenblätter ganz schön "verhuddlet", das meer spritzte übers ufer, es gab ein paar regengüsse, zwei, dreimal blitz und donner. 




himmel über hydra


ich werde demnächst in den bus steigen und in mein kloster im norden fahren. und dann gehts schon bald wieder zurück in die schweiz. kommt mir auch seltsam vor, dieser kurze aufenthalt in griechenland. aber ES möchte noch anderes dieses jahr. aikido zum beispiel. aber davon vielleicht mehr in einem anderen blog. 

ich wünsche euch allen einen guten monat november. kalo mina!

 


nachwuchs - die unzertrennlichen




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Freitag, 22. Juni 2012

die seele lebt im raum, aber ohne zeit








unterwegs zum kloster







 
mit dem besuch in einem griechischen kloster ist es wie mit ostern. man muss es selbst erlebt haben. über ein buch*, das mir meine freundin im winter 2010 geschenkt hatte, war ich im märz 2011 zum ersten mal im heiligen georgskloster karaiskaki. weshalb, warum und wieso... das ist eine schöne, aber auch andere und vor allem lange geschichte. auf jeden fall wollte ich die gerondissa diodora (äbtissin von 3 frauenklöstern und deutscher herkunft) und ihre schwestern besuchen, bevor ich in die schweiz zurückkehre. das kloster liegt 300 km nördlich von athen, ca 40 autominuten von den berühmten meteora-klöstern entfernt, über der ebene von karditsa. in schönster natur und stille. mit blick ins land und in die berge.  

die freude des wiedersehens nach mehr als einem jahr war für mich überwältigend. und gleichzeitig war es, als wenn ich gar nie weg gewesen war. ein schönes gefühl. 




 klosterkirche und platz


das kloster befindet sich noch im aufbau, und so war es auch eine freude zu sehen, dass sich in der zwischenzeit einiges verändert hatte. so gibt es jetzt solarzellen auf dem dach für heisswasser, zwei junge hunde, die für die immer grösser werdende schaf- und ziegenherde besorgt sein sollen und einen riesigen gemüsegarten. die schwesternschaft lebt in einfachsten verhältnissen. das gebäude wartet geduldig auf isolierung. also ist es im winter sehr kalt und feucht, im sommer fast unerträglich heiss. diesen winter, so erzählte man mir, fiel das elektrische über eine woche aus. d.h. keine heizung und kein wasser, weil die wasserpumpe elektrisch läuft... ja, da werden demut und die kraft des glaubens auf die probe gestellt und geschult. 




naturtempel mit schafen


gäste sind aufs herzlichste willkommen. manche kommen für ein paar tage, wochen oder monate. andere bleiben für immer. wer mag, hilft etwas mit. arbeit gibt es immer genug. auf diese art bekommt man einen guten einblick ins klosterleben. so kann es auch sein, dass man die gerondissa beim abwasch in der küche antrifft, wenn alle andern schwestern mit ihren aufgaben beschäftigt sind und niemand zeit fürs geschirr hat. ich finde das besonders. besonders ist auch, dass es in diesem kloster erstaunlich viele junge schwestern und novizinnen von überall aus der welt gibt. 




blick auf den gemüsegarten und in die berge



ich arbeitete im gemüsegarten, half in der küche und beim kaffeekochen für gäste. vor allem auch genoss ich die gespräche mit den schwestern, die schweigenden mahlzeiten, die gottesdienste. ganz besonders berührend sind die gesungenen psalmen. so zum beispiel der schlusshymnus des abendgebetes. für mich ist das der segen, der wie ein seidenes tuch vom himmel kommt und sich auf den abend, die kommende nacht und in die herzen der menschen legt, süss und zärtlichst wie ein gutenachtkuss...




impression aus der klosterzelle


im kloster fliesst ein tag in den nächsten, und ohne dass man es merkt geht die zeit in zeitlosigkeit über. der tagesablauf wird von den gottesdiensten, der arbeit und den mahlzeiten geprägt. wobei ich die auflösung der zeit als ein griechisches phänomen empfinde. denn obwohl schon fast acht monate in griechenland, fühlt es sich an, als wäre ich gerade erst gekommen... die seele lebt im raum, aber ohne zeit. und genau das macht es mir so schwer, in die alte heimat zurückzukehren. manchmal jedoch wird man vom leben freundlichst eingeladen, hinzuschauen oder zu hören, wo man lieber nicht möchte, weshalb auch immer; es stellt einem die dinge derart vor die nase, dass man sie nicht umgehen kann, auch wenn man die augen noch so sehr verschliesst. bei mir war es, neben einigen unspektakulären kleinigkeiten ein auto mit schweizer kennzahl. genau genommen eines mit einem nummernschild aus meinem wohnkanton... BE = bern. eines tages stand es einfach im klosterhof. das kam mir s e h r seltsam vor... auch die stimme meines herzallerliebsten sechsjährigen gottenbub's (zu deutsch patenkind, junge), klang mir plötzlich des öftern im ohr. im märz fragte er schon am telefon: "bist du an ostern wieder da?" und jetzt ist es schon sommer... 

ich weiss, im abschied liegt bereits die freude des wiedersehens. nur, wann darf das wieder sein? natürlich freue ich mich darüber meine freunde und familie wiederzusehen, meinen bub, endlich wieder einmal richtiges aikido zu trainieren, freue mich auf den garten, unsere isis (hauskatze), die eigene wohnung und auch darauf eine wieder etwas grössere auswahl an kleidern zu haben. das ist alles wunderbar. nur, was ist mit dem meer, dem licht, den farben, den klaren stimmen und lachenden herzen der schwestern, was mit den betörenden blütendüften, den lauen nächten, dem frischen schafs-joghurt mit honig, dem elliniko, dem feinen essen, der musik, der sprache, was mit dem gutenachtkuss... das herz lässt sich bekanntlich nicht täuschen. ja, ich werde reisen, und dann wohl bald wieder kommen müssen.






blick in den esssaal


aus schwester matronas paradiesgarten



gästin mit dem wohnteil des klosters im hintergrund


übrigens kann man in griechenland neben vielem anderen ski fahren, wellnessen und sicher auch golf spielen. und sowieso kann man hier so gut SEIN. all jenen, die noch nie im land der hellenen waren, die gerne zum ersten oder zum zigten mal möchten, aber nicht so recht wissen, aufgrund der politischen situation und überhaupt, sei gesagt: imagine..., stell dir vor... es ist einfach. weil, da gibt’s jemanden, der kennt griechenland noch besser wie ich und von dem habe ich schon manchen tipp erhalten. der sitzt in bern. und der macht das professionell!**


imagine... it is easy! 
imagine... it is wonderful! 
imagine... it is magic!
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IT IS GREECE!


*wer sich ins thema vertiefen möchte: 
- meine freundin die nonne – von ilka piepgras
- http://paradiesgarten-ev.com/


**IMAGINE: http://www.reiseberatung.ch

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