Mittwoch, 15. Januar 2014

joy of life - und der eine Punkt




ER singt auch noch im Januar... im Hafen von Ermoupolis.





Ein schöner Stein...




und dazu ein bisschen Grün...




7-Minuten-Schwumm im Meer zum angewöhnen, und ½ Stunde Sonnenbad zum wieder aufwärmen – und das Anfang Januar. Man sagte mir, dies seien die Alkyonides-Tage – eine Periode von warmen Tagen bis zu 20 Grad Celcius, beginnend nach Weihnachten bis ca. Mitte Januar; Tage milden Wetters, damit die Vögel ihre Eier legen können... (natürlich gibt es auch eine seriösere, klassische Geschichte dazu. Nachzulesen im Internet). 

Eine knappe Woche hier, war ich fast jeden Tag im Meer. Natürlich ist das Wasser, na ja, sagen wir einmal: frisch. Tatsächlich aber bin ich nicht die einzige „Verrückte“. Da ist zum Beispiel Frau Eleni die jeden Mittag mit ihrem Hündchen kommt oder der Italiener, der, wenn er da ist, eine wirklich grosse Strecke schwimmt. Ab und zu entdecke ich auch ein Gesicht, das ich noch nicht kenne. Auf jeden Fall ist das Erlebnis der Hammer. Winterschwimmen am Bielersee würde mir auch im wildesten Traum nicht einfallen! Nur, dem Meer kann ich mich nicht entziehen – es ruft mit derart verführerischer Stimme... was soll ich anderes tun als mich hingeben? Die Lebensfreude und der Lebenswille werden dabei total aktiviert! Ausserdem kann ich das Halten des einen Punktes üben. Der kommt aus dem Aikido und befindet sich unterhalb des Nabels tief, ganz tief drin. Kurz gesagt: wenn man den einen Punkt verliert, bekommt man eine Erkältung, wenn man nur schon an sie denkt. Oder eben gerade deshalb. Der eine Punkt lässt sich übrigens bei allen Tätigkeiten im Alltag üben, man braucht dazu nicht zwingend das Meer!




Am "Stadtstrand" mit Sicht auf Agios Nikolaos...




und Didimi.




Also bin ich zurück auf Syros, in meinem geliebten Griechenland, mit seinen wunderbaren Geschichten. Im Herbst wurde ich von Evgenia angefragt (siehe Blog 2013), ob ich daran interessiert sei, über den Winter einen Kunstworkshop in ihrer Schule in Ermoupolis anzubieten. Da mir schon seit vielen Jahren etwas Derartiges im Kopf, resp. in der Seele rum schwirrt, habe ich zugesagt. Wir haben 2 Angebote mit dem Titel „joy of life – χαρά ζωής“ ausgeschrieben: „development of consciousness through experimental art“ und „the silent hour“ (½ Stunde body-exercises, ½ Stunde Meditation). Für beide Veranstaltungen hat es Anmeldungen und ich bin wahrlich gespannt, wie es anläuft. Nächste Woche weiss ich mehr. Wie ich zu einer Unterkunft und zu Unterstützungsbeiträgen für die Projekte gekommen bin (die Einnahmen gehen alle zur Unterstützung der Schule), ist wahrlich eine beeindruckende Geschichte, die, wer weiss, eines Tages geschrieben werden möchte. 



Balkon-Stilleben 1



Ich habe ein schönes Haus etwas oberhalb des Hafens bezogen. Vom Hafen bis zur Haustüre sind es 305 Treppenstufen. Von meinem Balkon sehe ich die Schiffe ankommen und wieder ablegen – ich sehe die Werft, die begrünten Hügel im Westen, die in der Abendsonne das Aussehen einer japanisches Tuschezeichnung erlangen, geniesse jeden Abend einen Sonnenuntergang – und etwas später dann den Sternenhimmel. 


 Balkon-Stilleben 2



Kaum hier, begegnet man auf mysteriöse Weise allen bekannten Gesichter. Die Wiedersehensfreude rundum war berührend. Selbst die Einfahrt in den Hafen war ergreifend! Das Schiff hornte 4mal, und von der Kirche Agios Dimitrios läuteten die Glocken als Antwort. Seltsamerweise ist es mir, als wenn ich niemals weg gewesen wäre, und wenn ich an mein Schweizer Leben denke, fühlt es sich an wie aus einer anderen Zeit. Dabei ist es so, dass ich nicht wirklich daran glaubte, auf diesen kargen Flecken Erde sobald schon zurückzukehren und dann noch für 3 Monate. Wohlverstanden, es ist ein schöner Stein, der sich aus dem tiefblauen Meer erhebt und sich ins leichtere, sphärischere Himmelblau schmeichelt. Da schwingt eine gewisse Erhabenheit mit, ein in sich ruhender, stiller Stolz... und die Insel bietet einige überraschende Spezialitäten, zum Beispiel Aikido. Nur, wo ich doch die Bäume so liebe, von den Olivenbäumen bis zum Wald. Ein paar Schattenspender – oder: grosse, schlanke Freunde, wie ich sie gerne nenne, gibt’s schon, auch ein paar Kleewiesen, aber von richtigem Grün kann keine Rede sein. Auch stellt man sich den Winter im Süden allenfalls mild und freundlich vor. Tatsache ist jedoch, dass es nur bei Sonnenschein richtig-richtig gemütlich ist. Die Häuser haben meist mangelhafte Isolation oder spärliche Heizung. Die Türen der meisten Geschäfte und Lokale stehen tagsüber offen. Abends und nachts wird es empfindlich frisch, und die Feuchtigkeit macht auch vor der dicksten Baumwolle keinen Halt. Ich muss die fröstelnden, ungemütlichen Stunden meines letzten Winteraufenthalts verdrängt haben oder meine Liebe zu Griechenland hat mein Erinnerungsvermögen verklärt... In meinem Badezimmer (eine Dusche mit lauwarmem Wasser ist vorhanden) zeigt das Thermometer ca 13 Grad, weil, keine Heizung. Die Dusche mit dem heissen Wasser befindet sich ausserhalb des Hauses – genau genommen 28 Stufen vom Badezimmer entfernt. So etwas ähnliches hatte ich schon einmal, aber da war es Sommer. Meist ist es so, das derlei Überraschungen erst zum Vorschein kommen, wenn man schon eingezogen ist – man kann es auch nennen: das Wesen des Abenteuers.
Es gibt eine schöne Beschreibung über zwei Techniken im Aikido, Irimi / Eintreten und Tenkan / Austreten, und die geht so: Tritt man aus einem kalten Haus hinaus in den noch kälteren Aussenraum und anschliessend wieder zurück ins gleiche Haus hinein, erscheint einem die Temperatur im Haus viel wärmer wie noch zu vor. Also: ich übe.
Das Schlafzimmer lässt sich gut heizen. Es ist das Zimmer mit Balkon und eben dieser Sicht in die Landschaft. Darin lässt sich gut leben! und in meinem Fall verhält es sich wahrscheinlich eh so: Hauptsache Griechenland – an den Rest gewöhnt man/frau sich mit der Zeit... - oder?

Ich wünsche allen eine warme Stube!




noch blinkt es...





22 Uhr 20
ich lausche in die Nacht
jaja!
und wie er kräht, Nachbar's Hahn.



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wenn nicht anders vermerkt: fotografien/texte©grüner atem/sandra dominika sutter

Mittwoch, 3. Juli 2013

griechisch büffeln, schwimmen, tanzen, singen, wandern, essen & trinken, rembetiko, aikido: SYROS







teilnehmerInnen aus 11 verschiedenen ländern die alle dasselbe wollten: griechisch lernen.



wir kennen es alle: das leben an sich ist ausserordentlich. immer. wenn wir es in unserem alltag nicht bemerken, zeigt sich das von zeit zu zeit in ereignissen, die wir auf grund unserer geschichte als besonders empfinden, einem höhenflug, einem tiefgang, einem augenblick JETZT! ein solch besonderes ereignis, erfreulicherweise einen höhenflug, erlebte ich in meinem geliebten griechenland auf syros. ein freund bemerkte: "bezahlt werden um griechisch zu lernen. und das zwei wochen lang!" wie es dazu kam? auf meiner reise von griechenland zurück in die schweiz letzten juni lernte ich auf dem schiff ein ehepaar aus österreich kennen. wir verbrachten eine wunderbare zeit, blieben in kontakt und trafen uns wieder. bei gelegenheit kamen wir auf grundtvig - lifelong learning* zu sprechen. "ah, das ist was für dich!" sagte sie. sie selbst war vor 2 jahren an einem griechisch-sprachkurs und zeigte sich total begeistert. "die kosten für reise, unterkunft und den workshop werden übernommen. die einzige bedingung ist, dass du am schluss einen bericht schreibst und die nächsten 3 jahre keinen kurs besuchst."

bei meinen recherchen auf der homepage von grundtvig stiess ich auf unglaubliches und wunderbares, so dass ich mich für einen sprachkurs mit dem titel "greek language and culture through the eyes of immigrants" bewarb UND, oh freude! als eine der 17 teilnehmerInnen aus 11 europäischen ländern angenommen wurde.

der workshop wurde von vardakeios scholi of ermoupolis** organisiert, einer non-profit-organisation (bestehend seit 1872), die kostenlos sprachkurse in griechisch und englisch für immigranten und einheimische anbietet. für grundtvig haben sie einen workshop mit dem titel: "learning the greek language and greek culture through the eyes of immigrants" ausgeschrieben, der neben dem täglichen griechischen unterricht ein komplettes kulturelles programm in griechischer sprache anbot.

die reise begann viel versprechend beim einstieg ins flugzeug. mein sitzplatz in den hinteren reihen war schon besetzt und überhaupt war ich plötzlich die letzte, die ratlos im korridor stand und sämtliche blicke von passagieren eines vollbesetzten flugzeuges auf sich spürte. souverän nahm mich der steward mit nach vorn und wies mir einen platz in der ersten reihe zu. tja, das ist ein angenehmes fliegen in der business-class, zwei menues zur auswahl, vor- und nachspeise, richtiges geschirr. ich habe es genossen und betrat als erste den griechischen boden!

wie auch schon fuhr ich mit dem bus vom flughafen ins hotel im hafen vom piräus. "vor 3 jahren stand man hier im stau. es war kein durchkommen. heute, schau dir das an, leere strassen, um diese zeit! die leute haben kein geld mehr..." erzählte mir der busfahrer, ein gemütlicher grieche, der, da die automatische ansage ausfiel, geduldig den touristen half, bei der richtigen haltestelle auszusteigen.

die erste nacht verbrachten wir im hotel electra. unsere griechisch lehrerin und mitorganisatorin des workshops eugenia empfing mich aufs herzlichste. meine zimmergenossin für zwei wochen war eine soziologin aus ungarn. um es kurz zu machen, der müllwagen stand mindestens 3 mal unter unserem fenster und leerte die niemals leer-werden-wollende kontainer. der lärm war höllisch, die mücken ausdauernd, die sommerliche wärme total ungewohnt, die wasserspülung der toilette im badezimmer gurgelnd. die nacht war lang, der schlaf kurz.




syros, trockene insel.




die versöhnung kam mit der schifffahrt nach syros. sonne, meer, parea (gruppe von freunden). 17 teilnehmerInnen aus 11 verschiedenen europäischen ländern allen alters, mit griechisch-kenntnissen auf unterschiedlichen levels. ich selbst war zuletzt vor ca 25 jahren und auch nur etwa 2 jahre im griechisch unterricht, und etwas besorgt darüber mithalten zu können. seither nämlich war ich zwar manches mal in griechenland, habe aber die sprachlichen studien nicht ernsthaft weiter vertieft (was heisst: wörter und grammatik büffeln, sprachkurs belegen etc), dafür habe ich viele stunden auf den berühmten, unbequemen griechischen stühlen verbracht und der jeweils griechischstämmigen parea in ihren unterhaltungen gelauscht. das schult das ohr. und erstaunlicher weise versteht man dann plötzlich ganz viel, ohne dass man die worte kennt oder sie selber sprechen könnte.





blick auf syros und den hafen.


 

wir verbrachten eine herrliche zeit und ich staunte jeden tag viele male. unser hotel hiess ebenfalls electra, zufälligerweise, geführt von herzlichen gastgebern. das frühstücksbuffet war reichhaltig, die paralia (der strand) vor der tür, so dass es jeweils auch für ein morgendliches bad reichte.





täglicher badeplatz 





ungewohnte strandparea
die eine geschichte ist, dass da sehr wohl weibchen waren. insgesamt eine kolonie von 6 enten, vier davon jedoch plötzlich verschwanden und vermutlich einem kochtopf zum opfer gefallen sind. die andere geschichte ist, dass sie ein enten-weibchen ansiedeln wollten, die enten-männchen damit aber nicht einverstanden waren und das weibchen kurzerhand ersäuften.



es hat mir ungemein viel freude bereitet schwitzend im schulzimmer zu sitzen, mit der grammatik und den verben zu ringen, leicht zu verzweifeln weil ich keinen fortschritt bemerkte, um dann doch überrascht zu sein, wie gut es noch ging.





innenhof der schule mit blick in den griechischen himmel. 




 jeden morgen von halb zehn bis halb zwei, exkl. hausaufgaben. hat spass gemacht.




über syros lässt sich viel interessantes erzählen. besser noch lässt es sich nachlesen, zum beispiel im internet und noch besser vor ort erleben. soviel sei hier gesagt, dass syros durch die zeit hindurch mancherlei erlebt und erfunden hat. heute leben ca. 25 000 menschen auf der insel, davon der grösste teil in ermoupoli, einer modernen stadt mit herrlichen neoklassizistischen villen, hochschule, krankenhaus, kasino, theater, kino, einem kleinen flughafen und berühmter schiffswerft. ausserdem ist ermoupoli verwaltungssitz der kykladen. aufgrund all dessen lebt die insel nicht hauptsächlich von ausländischem tourismus, und ist daher eher ruhig, authentisch und empfehlenswert für reisende die gerne unter griechen weilen.

zurück zu unserem workshop: wir haben griechisches essen gekocht, allerhand traditionelle köstlichkeiten probiert, griechische tänze geübt und getanzt! gesungen, getrunken, gelacht, gekeucht, geschwitzt, uns gefreut. wir sind gewandert, haben kulturelle schätze bestaunt, uns in die geschichte vertieft. wir haben wunderbare menschen kennengelernt. haben schicksale über immigranten in griechenland gehört, schwieriges, berührendes. wir haben märchen aus aller welt gelauscht, uns dem rembetiko hingegeben... ach... und uns ins kühlende meer geworfen, viele male. es war einfach herrlich und wunderbar!
 



das theater apollo in ermoupolis ist eine mini-ausführung der scala milano. 






das kennenlernen der griechischen küche gehörte auch ins programm.
hier bei der zubereitung von kefkedes. 





johannis fest. es ist ein traditioneller brauch, dass die kinder übers feuer springen.





schönes im heutigen kaffee megaron in ermoupolis. eleganz...




 
...und noblesse. schönes auch im 5-stern-hotel ploes





der harte kern wollte es wissen, und ging unter grösster hitze die vor hunderten von jahren in die felsen eingeritzen
schriften bei grammata beach ansehen, währenddem sich der grösste teil der gruppe am strand und im wasser räkelte.





besuch in der loukoumi-fabrik. loukoumia sind gelee-ähnliche süsse stückchen 
mit verschiedenen aromen, manchmal bestückt mit mandeln oder pistazien.



ja, und dann wurde die parea verabschiedet. so manche schluckten und schauten plötzlich etwas ernst. "wenn du in italien, deutschland, belgien, rumänien, lettland, litauen, ungarn, der schweiz, spanien, tschechien, luxemburg bist, komm vorbei! - respektive: kommt bald wieder nach syros - wir warten auf euch." wir vereinbarten, ein forum auf facebook zu erstellen und zu dianas hochzeit in rumänien zu reisen, also: in kontakt zu bleiben.

ich blieb noch einen tag länger. die hotelbesitzer überliessen mir vertrauensvoll das hotel. für eine nacht war ich die einzige gästin.




bye bye - herr lakos der sich zur aufgabe gemacht hat einen teil des strandplatzes zu betreuen, sauber zu halten und zum besten zu schauen verprach der parea, er würde mit der griechischen fahne, die er täglich um 7 uhr morgens aufzieht und um 18 uhr abends wieder runter holt,  zum abschied grüssen. und: er tat es tatsächlich. auch, als ich nächstentags alleine abreiste.




bei gelegenheit hatte ich von eugenia erfahren, dass es in syros aikido gibt. meine freude war gross. sie brachte mich mit jannis, einem der mitglieder in verbindung. durch ihn erfuhr ich, dass die lehrerin agapi heisst (liebe), leider gerade abwesend war, und von einem dojo in athen kommt, wo ich zufälligerweise auch schon war. also wagte ich am letzten abend einem training beizuwohnen. es war ca 40 grad in der halle, die auch als fitnessraum dient. die matten werden zu jedem training ausgelegt, o'senseis' bild auf- und nach dem training wieder abgehängt. im sommer schwitzen sie gerade mal 1 stunde, dafür in rasantem tempo.
es war ein erlebnis, es war mir eine freude, und das wasser lief aus allen poren.




die trainingsgruppe war, vielleicht wegen der hitze, klein.
das bild von osensei im hintergrund.



in der schweiz, so vernahm ich, fiel auch der sommeranfang ins wasser, 10 grad celsius. "kaze edo! bleib hier. warum willst du zurück? wir mögen etwas verrückt sein, aber, ist das ein leben dort?"

ja, das frage ich mich auch.



 "...syros ist etwa der nabel von griechenland, die hauptstadt der eleganz und noblesse. keiner könnte sich vorstellen, eine solche welt auf einem kahlen felsen inmitten der ägäis zu finden!"

 theophile gautier (1811 - 1872) 


ja, das sage ich auch.

wer eine ähnliche erfahrung machen möchte: vardakeios scholi bietet im august griechisch kurse für anfänger und fortgeschrittene an, inkl. kulturellem programm. infos siehe weiter unten. 

ich danke von herzen eugenia und ihrem team von der vardakeios scholi in ermoupoli und der parea für diese wunderbare erfahrung. und wünsche: auf wiedersehen! 

thank you all, dear friends, for this extraordinary experience! 

τα λέμε και καλή τύχη!




workshop team: v.l.n.r.: melina, eugenia, anna


euch allen einen guten monat juli. und möge der sommer nun endlich auch in die schweiz kommen.






*grundtvig workshops: es gibt weit mehr wie griechisch lernen. http://ec.europa.eu/education/grundtvig/workshops_de.htm 

**vardakeios scholi: abgesehen von den sprachkursen, ist vardakeios scholi auch begegnungstätte. es werden erfahrungen zwischen einheimischen und immigranten ausgetauscht, theater- und handwerks-workshops angeboten, exkursionen, sowie kulturelle und soziale aktivitäten. leider hat die krise auch die schule erfasst und die fortführung des unterrichts ist längerfristig nicht gewährleistet. aufgrund dessen sucht die schule nach möglichkeiten der selbstfinanzierung und möchte in zukunft ein sprach-und-kultur-angebot für feriengäste anbieten. 
http://www.vardakeios.gr/greek_language_courses_summer_2013/?lang=el
http://vardakeios.wordpress.com/

syros: http://syros-online.com/ 



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Sonntag, 23. Dezember 2012

stacheldraht und wüstenwind









blick durch das fliegengitter auf tel aviv vom integral dojo aus gesehen


der waffenstillstand zwischen israel und gaza wurde einige tage vor unserer abreise beschlossen. also reisten wir. wir, das war eine gruppe von ca 10 aikidokas unter der leitung von patrick cassidy von aikido montreux*, inkl. zwei amerikanischer freunde die ein paar tage zuvor von der westküste eingeflogen waren.
der flug war fantastisch - ich hatte einen fensterplatz und genoss die sicht auf mein geliebtes griechenland von hoch oben und ja, da waren momente eines leisen zweifels, ob ich den richtigen zielflughafen anpeile... kurz vor der landung in tel aviv gewitterwolken, etwas schütteln und rütteln - ich mag das eigentlich ganz gern, sofern es nicht den ganzen flug über andauert - und dann waren wir dort. 

natürlich hatte ich meine bedenken, ob es angebracht ist in ein land zu reisen das sich gerade im kriegszustand befindet, resp. bei dem man nie weiss, wann es wieder losgeht oder was als nächstes geschieht (terroranschläge). und natürlich spürte ich, teils kollektive, teils persönliche angst und anspannung in der woche vor der reise. was, wenn das bisschen leben, das man ist in gefahr gerät und gar stirbt?... nicht zu gehen wäre vernünftig, hörte ich von angehörigen oder bekannten sagen. das sagte ich auch, nur, unter allen bedenken war ein ruf. also ging ich. und mit meinen ersten schritten auf israelischem boden verflog, was allenfalls an zweifel oder ängsten noch da war.

miles kessler, dojo-cho vom integral dojo* in tel aviv und einige seiner uchi-deshis (live-in-students) hiessen uns am flughafen willkommen, und führten uns in ihr dojo mitten in der stadt, wo wir am abend das erste training hatten und auch übernachteten. das vorgesehene reiseprogramm war: tel aviv, westbank ramallah, jerusalem, retreat am toten meer. die leitung für die reise und trainings hatten patrick cassidy und miles kessler gemeinsam.





erstes abendessen im nahen osten - es war lecker!
nur, meine liebe für gepflegtes essen wurde total in frage gestellt





integral dojo tel aviv




nachtlager am frühen morgen im dojo





tel aviv beach



am zweiten abend fuhren wir mit einem kleinbus nach ramallah (aikido without borders*) zum training. ja, es war ein besonderes gefühl, den mauern mit stacheldraht entlang, an soldaten mit gewehren vorbei von jerusalem her in die deutlich staubigere westbank zu fahren, bei der grenzüberquerung in stockendem stau kaum vorwärts zu kommen. ich spürte ein allgemeines leises aufatmen, als die fahrt wieder schneller wurde und die strasse freier. überhaupt war da plötzlich ein eindeutiger geschmack von freiheit





abendessen in der westbank. war lecker UND übersichtlich



nach einem kleinen abendessen und einem spaziergang durch down town ramallah - sauber, modern, voller leben, gute atmosphäre - fuhren wir nach bir nabalah einem dorf nahe der stadt, ins taj mahal, einem modernen komplex der für hochzeitsfeste und drei mal die woche als trainingshalle für aikido benutzt wird. wir wurden aufs herzlichste empfangen. es gab ein kinder- und ein erwachsenen-training. die gruppen sind übersichtlich und noch im aufbau. mädchen oder frauen trainieren nicht. das hat damit zu tun, dass es noch keine aikido-lehrerin vor ort gibt. zusammen mit den männern oder buben zu trainieren kommt aus religiösen gründen nicht in frage. zugegeben, fühlte ich mich unter soviel männerpräsenz (der ganze dorfrat kam zur feier des tages und wohnte den trainings als zuschauer bei) nicht ganz am richtigen ort, obwohl ich nicht die einzige frau in der gruppe war. wie dem auch sei. es war berührend die jungen und auch zum teil erstaunlich älteren aikidokas so motiviert, neugierig und begeistert bei der sache zu sehen. es war schön. spät in der nacht fuhren wir zurück nach jerusalem. der geschmack der freiheit blieb zurück in der westbank.





die goldene kuppel - blick auf den felsendom


ja, jerusalem - die schöne, die heilige - ich war beeindruckt. so viele gebete wie sie dort jeden tag gebetet werden. das ganze jahr hindurch. seit so vielen jahren. wie wohl würde die welt aussehen ohne sie? in der grabeskirche fühlte ich mich verbunden und aufgehoben mit der warmen, wohlwollenden erdenergie. an der klagemauer erlebte ich in einem inneren bild, wie die mauer sich auflöste, und sich ein warmes, goldenes licht mit mir verband, unaufdringlich aber eindeutig. was klagen wir!? erlöst sind wir bereits... der segen kam postwendend von oben in form von drei wohldosierten tropfen taubendreck. immerhin war die taube weiss.

und immer wieder fand der ruf vom himmel auf die erde - allahu akbar! - warf sich in den herzensraum und schallte zurück in die weite des universums, genauso wie das glockengeläut, und das leise schluchzen von sich drehenden körpern vor der mauer, deren gesichter in zerfledderte gebetsbücher gelegt. jerusalem! die heilige, die schöne! - stadt des friedens.





kuppel in der grabeskirche




verewigte spuren der kreuzritter




klagemauer - die seite der frauen




dem heiligtum ein bisschen näher




  und endlich von ganz nah


und dann eben der felsendom. ich sass mit dem rücken an die mauern der moschee gelehnt in herrlichstem, himmlischsten frieden. auch hier spürte ich ein licht, klar weiss, rein, das mich ins innere des gotteshauses nahm, einsog sozusagen, durch die mauern hindurch, ohne dass ich etwas gemacht hätte. sehr besonders. also sass ich mit geschlossenen augen, ganz eins mit DEM in meinem herzen, als mich ein führer ansprach: "du darfst hier nicht beten. deine kirche ist dort drüben, geh dorthin zum beten. dieser platz ist nur für moslems!" - nun ja, in gewisser weise hatte er recht... erstens westliche frau und dann nicht mal muslima... aber habe ich eine bestimmte kirche? GOTT ist überall oder nirgends, und ganz bestimmt ohne vorlieben, sonst wäre ER nicht sich selbst... IHM sind alle willkommen, oder? und überhaupt, woher wollte der führer wissen, dass ich mit IHM war? wir kamen ins gespräch. er war freundlich, wenn auch sehr bestimmt. schlussendlich fand ich heraus, dass ich wohl dort sitzen darf, aber nicht mit geschlossenen augen. "in 10 minuten machen wir zu, dann musst du sowieso gehen!" "salam maleikum!"  "maleikum salam!"





realitäten: raus kommt man nur auf verlangen. rein mit einem zahlencode der regelmässig geändert wird



 

stacheldraht zum schutz von wem?


für unser aikido retreat ging die reise in die wüste ans tote meer. unser resort, mit einer kleinen militärstation gleich neben an, war gut eingezäunt mit stacheldraht, wenn auch mit einem kleinen loch an einer stelle, und hatte sicht aufs tote meer und jordanien. wir waren eine gruppe von etwa 50 menschen aus israel und dem rest der welt. und wir arbeiteten mit gegensätzen. einige unserer freunde aus der westbank nahmen auch teil, zum ersten mal. zwar passierten sie den grenzposten nicht ohne schikanen, aber sie passierten ihn. und es war berührend zu erleben, wie aikido grenzen zu überschreiten möglich macht. wir hatten freude, wir waren berührt und beglückt, wir bewegten und liessen uns bewegen. wir gingen durch widerstände und schwierigkeiten. wir erprobten das neue. es ging tief. es war schön.



lieber vor dem zelt...




oder vor dem abendhimmel?
der platz fürs gruppenfoto will gut gewählt sein.




wüstenidylle - unser trainingszelt in der nacht



man muss in der gleissenden sonne gedürstet haben, in der kühle der nacht gesessen, man muss die zyklen des lichtes auf dem stein beobachtet haben, um etwas von dem geheimnis der wüste zu erfahren. so sass ich inmitten was einmal meer war, den atem der wüste auf dem gesicht, und schaute aufs trockene land. gedämpfter motorenlärm von irgendwo her, das rascheln einer plasitktüte. vögel flitzten vorbei oder trippelten piepend über den steinigen boden: "wer bist du, wer bist du!?" stein und staub. blaus und brauns. licht. stille. nichts. mein körper wurde zu einem weiten raum ohne form und grenzen, weites leer, durch das schriftzeichen zogen, arabische und hebräische, von rechts nach links... "wer bist du, wer bist du!?"




ein heiliger berg von vielen




blick auf das tote meer und jordanien



meine grösste überraschung war - dass ich die stille der wüste ähnlich empfand, wie jene, die ich manches mal bei mir zu hause in gaicht erlebe - nachts - wenn das getriebe des tages seine ruhe findet, der mensch schläft und die sterne lautlos auf die erde leuchten... eine stille, wie wenn eine unsichtbare hand den ton ausgeschaltet hat...





ich wünsche allen eine gesegnete, leuchtende weihnacht 
und alle guten wünsche für unser nächstes abenteuer 2013. 



was wir tun können?
den sprung ins ungewisse wagen
und 
-
fliegen.








*wer gern mehr über diese art des aikidos erfahren möchte oder nächstes jahr mitkommen:
http://www.aikidomontreux.com 
http://www.theintegraldojo.com
http://www.aikidowithoutborders.org



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Sonntag, 18. November 2012

streiks und klostersegen







im bus unterwegs nach athen




mondsichel -
du hauch im wolkenlosen blau
dünn und weiss.

hellgrüne netze -
und rote harrasse
gefüllt mit schwarzen früchten.
olivenernte.






klosterberg im grünen gewand

 



aussergewöhnliches frühstück vor der abreise





mein aufenthalt im kloster war schön. die freude des wiedersehens gross. die herzlichkeit der schwestern berührend wie immer. ich erlebte schöne, reiche tage mit lesen, gesprächen, gottesdiensten, arbeit. manche tage waren wunderbar mild, andere regnerisch, die nächte waren meist schon winterlich kalt. und so verging die zeit und meine abreise nahte. im kloster gibt es weder radio noch fernsehen. diesmal gabs auch nur sporadisch eine internet verbindung. so lebt man ohne die weltlichen schlachten nur mit den eigenen innerlichen dramen. angenehm oder nicht, in gewisser weise jedoch ruhiger. 

ich also blieb ohne sorge über meine rückreise, bis mich am vorabend meiner abreise ein anruf aufs handy aus der schweiz erreichte. ob ich denn überhaupt zurückkomme und wann. ja, ja, die ganze woche schon streiks: busse, taxis, metro, flughafen... wurde mir bei schlechter verbindung erzählt. natürlich bekam ich es mit einer gewissen unruhe zu tun. schliesslich war ich 300 km vom flughafen entfernt in den bergen und noch nicht lange genug im kloster, als dass mein gottvertrauen, den öffentlichen verkehr betreffend, schon ganz ausgereift gewesen wäre... auch die zuversicht der schwestern konnte mich nicht ganz und gar beruhigen. der langen rede kurzer sinn - ja es wurde gestreikt, bei der metro zum beispiel, aber sonst: meine reise zum flughafen lief reibungslos. der bus fuhr pünktlich wie üblich und erreichte athen ohne verspätung. und der airport-express war dermassen blitzgeschwind, dass ich 3 stunden zu früh in der abflughalle sass. auch beim flug gab es keinen rückstau... alle sorge umsonst. 



ja, mit einem klösterlichen segen reist man in gottes schützender hand. 






unterwegs nach athen




das andere griechenland bild von unterwegs




unterwegs nach athen



wann ich dann wiederkomme, fragten sie mich beim abschied. se perimenoume - wir warten auf dich! - eigentlich war schon bald ein aikido-retreat in israel geplant. wie es in griechenland weiter geht, weiss niemand. wie es zur zeit im nahen osten steht hören wir in den nachrichten oder lesen es in der zeitung. es fehlen mir die worte, etwas darüber zu sagen.

aber einen wunsch habe ich: schicken wir unsere liebe und unser licht an alle menschen die am konflikt beteiligt und davon betroffen sind. an die soldaten und bombenwerfer, an die zivilisten, an die machthaber und entscheidungsträger, an die rechtsradikalen, ultra-orthodoxen, linksorientierten, an die ärzte, die opfer, die hinterbliebenen, frauen, kinder, männer. in israel, im gaza, in syrien, im nahen osten überhaupt. 





"die liebe ist die grösste dynamik im ganzen universum." annette kaiser.






Frieden
Wenn Seele still
Ganzer Mensch still
Dann Weltfrieden

Tetsuo Roshi





ich wünsche uns allen frieden.




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