Sonntag, 9. Oktober 2016

Herbstlicht


Erstaunlich, welche Düfte aus der vom Sommer 
getrockneten Erde aufsteigen! Betörend! Und erst die Farben! Ach...

Ich traute meinen Augen nicht als ich die Fähre nach Syros bestieg: mit so vielen Menschen bin ich noch kaum je zur Insel gereist. Nur einmal erlebte ich noch mehr Passagiere, nämlich vor einem Jahr als ich mit Freunden von Mykonos zurück nach Syros fuhr - aber jenes Schiff war mit Flüchtlingen von Samos her kommend gefüllt. Dieses hier war mit Gepäck, Familien, jungen Menschen, auch ein paar Touristen, voll! Tatsächlich lag mir beim Kauf des Tickets "Einmal Air-Seat bitte" auf der Zunge. Das heisst, die Worte wollten sich gerade setzen, ganz vorne auf die Zungenspitze sozusagen, da drängte sich die Gewohnheit vor, und ich bestellte "Economy", wie immer. Mein Bedauern folgte, denn sämtliche Sitzgelegenheiten im Schiff drinnen waren bereits eine halbe Stunde vor Abfahrt besetzt und so verzog ich mich an die frische Luft, dorthin, wo auch die Raucher oder Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern sich einfinden... Wie ich im Nachhinein erfuhr, erwischte ich den griechischen Sommerferien-Rückreise-Verkehr. Immerhin gab es nur Stau was die Sitzplätze betraf, und nicht stundenlanges Warten im Hafen, wie bei uns in der Schweiz vor dem Gotthard. Irgendwie war es dennoch eine lange Reise und ich war froh, als das Schiffshorn den nahenden Hafen ankündigte.



Ein Schiff, das in keinen Rahmen passt: die Superfast bei Wendemanövern im Hafen von Ermoupolis. Ankommende oder ablegende Schiffe sind IMMER ein grosses Ereignis!


Das ist schon wieder ein paar Wochen her. Mittlerweilen sind wir im goldenen Herbst angekommen. Eines Morgens wachten wir auf und alles war anders: die Temperatur rutschte von spätsommerheiss in die ihr angemessene Jahreszeit. Das Licht nahm sich die Schärfe und wechselte von knallig zu golden, was wiederum eine unglaubliche Farbpallette hervorzaubert. Der Nordwind begann zu blasen was er konnte und brachte jede Frisur zur Verzweiflung. Dann drehte er auf Süd - das gleiche Dilemma einfach aus einer anderen Richtung (zur Zeit ist es fast windstill - zur Freude der Frisur). Im Schatten ist es nun wieder fröstelig-kalt, an windgeschützten Stellen treibt es einem den Schweiss aus den Poren. Das Meer gerade noch warm, erzählt bereits von nahender, winterlichen Kühle... trozt allem geniesse ich die Wohltat für Seele und Rücken. Und nun hat auch die bis tief in den Boden ausgetrocknete Erde bekommen was sie sich ersehnte: den ersten Regen. Was für eine Erleichterung! Heuer hat es im Winter viel zu wenig geregnet, und manch ein Bauer machte sich Sorgen. Auch Syros hatte zahlreiche und für die Insel grosse Brände diesen Sommer. Ging man in der Natur knisterte es unter den Füssen, und man unterliess es besser, sich dabei etwas zu denken, aus Angst, das Gedachte könnte ein Feuer entfachen. So trocken war es...




 Es gab allerhand zu jäten! Happy im "Chara Zois - Park"
 
Den Bäumen "Chara Zois" (siehe Blog vom 8. April 2016) die wir gepflanzt haben geht es insgesamt sehr gut. Den Sommer nicht oder nur knapp überlebt haben vor allem einige Zypressen - auch jene, die ich für die Flüchtlinge gepflanzt habe. Man kann vielleicht sagen, sie sind am falschen Platz gesetzt, oder, es zeigt etwas übers Thema im Allgemeinen auf. Geplant ist, dass diese Bäume ersetzt werden. Abgesehen davon ist es eine Freude, zu sehen, wie sich der Platz entwickelt. 




Einer, der auf gutem Wege dem Himmel entgegen wächst.



Mit der Imbach-Gruppe verbrachte ich eine sehr schöne Woche und die Gäste kehrten beglückt und beseelt in die Schweiz zurück.


Da ich dieses Jahr noch vor Ende der Saison nach Syros kam, genoss ich gerade noch den Abschluss des kulturellen Sommerprogramms. Ich staunte nicht schlecht: der Veranstaltungskalender war in Form eines dicken Booklets mit hochstehendem Angebot: Filmfestival, Rembetiko-Festival, Aegean Cuisine Festival of Gastronomic Culture, internationales Animations-Film Festival - inklusive Workshops für Kinder, Senioren, und Menschen mit Behinderung. Jazz Festival, International Championship for Spearfishing... und vieles mehr. Die meisten Anlässe waren u.a. von Sponsoren finanziert und gratis. Trotz der Freude davon profitieren zu können, wunderte ich mich. Eine Bekannte meinte nur dazu: "Besser, sie geben das Geld für Kultur aus, als dass es irgendwo sonst für irrwitzige Projekte oder in eigene Taschen verschwindet!"






 Innovatives Syros: mit der Neugestaltung der 
Paralia gibts nun auch einen Veloweg!




 Und für einen solchen brauchts natürlich auch Fahrräder.




Dieses ist zum Kaufen, nicht zum Mieten. Werbegag eines 
Ladens mit naturreinen Produkten, vor allem Holz.
 


Fülle - Aegean Cuisine Festival of Gastronomic Culture.
Von diesem und jenem durfte probiert werden.

Auch die meisten Touristen sind nun wieder zu Hause, und viele Tavernen, Cafés und Bars haben die Saison beendet, was immer auch ein melancholischer Moment ist. Das "Vaporia" (Dampfschiff) über dem Stadtstrand hatte schon vor Ende September einen weissen Zettel an die geschlossene Türe geklebt: "Kalo Chimona - Guten Winter!"  





Vaporia - gerade sassen wir noch da - und schon 
sind Tische und Stühle fortgeräumt.


Und dann gibt es auch saisonunabhängige Schliessungen und auch solche, die auf dem Weg dorthin sind. Um nur zwei Beispiele zu nennen: der zweite Kiosk von fünf am Rathausplatz, ist zu. Der Stadtsupermarkt, eine Filiale von Carrefour Greece die Pleite gemacht haben, verkauft nur noch was sie im Lagerbestand haben. Die Gestelle erinnern an Bilder wie wir sie aus der DDR oder dem Ostblock kannten. 




Einer der Periptero -Kioske- am Rathausplatz: ein architektonische
Prunkstück - bis auf unbestimmte Zeit sich selbst überlassen.
 

Seit letztem Montag wurde bereits der Winter-Busfahrplan eingeführt, der Ende Oktober noch einmal angepasst wird. Praktisch heisst das: blöd, wenn man auf dem Land wohnt und weder Motorrad noch Auto zur Verfügung hat. Dann geht man nämlich hauptsächlich zu Fuss, mit dem Fahrrad oder gar nicht. Im besten Fall kann man sich mit Nachbarn zusammenschliessen die mobil sind. Was natürlich wieder eine Bereicherung darstellen kann. Auch in der Schiffswerft ist es zur Zeit viel zu still, und die Trockendocks stehen leer da. Seit Monaten schon kann die Firma keine Löhne bezahlen, und das Elektrizitätswerk hat nun den Strom abgestellt, sagen sie, da Beträge in Millionenhöhe ausstehen.




Eine syrianische Redensweise sagt: sollte die Werft ihre Tore schliessen wird aus der Hermesstadt (Ermoupolis) eine Wüstenstadt (Erimoupolis).





Vielleicht sieht man dieses Bild in Zukunft wieder öfters - 
wer weiss. Netze flicken. Wäre sicher nicht die dümmste Beschäftigung.
 

Letztens nahm ich einen einheimischen Mann in den Sechzigern mit dem Auto mit. Er machte Autostop, was für hier sowieso schon sehr ungewöhnlich ist. Sofort füllte er den Raum im Auto mit seiner Ausdünstung die nach vielen und noch mehr Zigaretten roch. Ich bemerkte, dass er ja ziemlich viel rauche. Er sagte, nein, warum, ob er danach roch? Nur etwa eineinhalb Päckchen pro Tag. Das ist viel, sagte ich. Und er: "Viel?! Andere rauchen 3 - 4 Pakete pro Tag, DAS ist viel! Was soll ich denn tun? Meine Mutter ist vor einem Jahr gestorben, Probleme mit der Rente, Probleme hier, Probleme da...!" 


Wie mir kürzlich gesagt wurde, sollen die Preise für Tabak, Alkohol und Benzin wieder steigen: eine Flasche Rum 20.-Euro, wovon weit über die Hälfte Steuerabgaben sein sollen, und der Liter Bleifrei ist jetzt schon teurer wie in der Schweiz. Und vorausgesetzt man hat ein begrenztes Budget (zum Beispiel bei einem Stundenlohn ab 5 Euro...) und zwei Supermärkte nebeneinander zur Auswahl. Der eine ist von hier, der andere ist vom Ausland zugezogen. Wenn man nun den gleichen (!) Einkauf von ca. 25.-Euro in dem einen der beiden Läden für über den Daumen gerechnet 8.-Euro günstiger haben kann - in welchen Laden geht man dann?


 
Na ja, und dann hat die Aegean Airline, die bis anhin Syros anflog, kürzlich von einem Tag auf den nächsten sämtliche Flüge von und nach Syros gestrichen. Dafür fliegt nun Sky Express, eine kretische Airline mit günstigerem Angebot (zum Beispiel 10.20 Euro ohne Gepäck, das nennt sich: Just Fly! Man muss nicht einmal mehr rechnen können um zu verstehen, dass hier etwas falsch läuft, oder?). Nur, kaum haben sie den Flugbetrieb aufgenommen, gabs Flugausfälle auf Grund von irgendwelchen Streiks. Ab Sonntag, wo sie wieder hätten fliegen können, wollten die Fluglotsen in Athen streiken. Vier Tage keine Flüge von irgendwoher nach irgendwohin, mit einem Tag Protest-Pause zwischendrin. Nachdem dieses Vorhaben von allen Airlines und dem Athener Flughafen offiziel bestätigt wurde, kam kurz vor Inkrafttreten des Streiks die Nachricht, dass er wieder aufgehoben sei. Wie immer man das nennen möchte, Katz und Maus, Räuber und Polis, Säbellrasseln... nur, höhere Macht ist es nicht.
 


 


Es ist derweil nicht so einfach, in alledem gute Laune, Zuversicht und Freude zu bewahren. Glück empfinde ich dann als am schönsten und tiefsten, wenn es auch meinem Umfeld gut geht. Das solche Zustände wie beschrieben früher oder später an den Nerven zerren ist zu verstehen, oder? Und die Menschen hier äussern sich überraschend offen, wenn man sie derzeit fragt, wie es ihnen geht und halten mit nichts zurück.


Ja, ich habe auch Gäste erwartet. Auf Grund des ganzen Chaos, auch "Mist" genannt (wobei "Mist" ein Bestandteil ist, der zu gutem und kräftigen Wachstum führt. Well, I hope so, truly, truly I do!) sieht es nicht danach aus, als dass sie noch kommen. 

Was können wir tun? In Griechenland bleiben, trotzallem nach Griechenland kommen, in Scharen und zu allen Jahreszeiten, uns nicht irritieren lassen von den Umständen, egal ob hier oder sonst wo, und weiterhin den Fokus darauf halten, dass es Möglichkeiten zur Problemlösung gibt, auch wenn wir den Weg dahin noch nicht kennen, und... öfters Louis Armstrong hören!



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fotografien/texte © grüner atem / sandra dominika sutter

Dienstag, 6. September 2016

...wie ein Sommerregen


Hotelzimmeraussicht - Hinterhofidylle. Auch typisch für Athen oder Piräus.
Ich finde, das hat auch seinen Charme. Und es ist relativ ruhig. 
Ausserdem hat man beim Schlafen eh meist die Augen zu. 



Heute Morgen war in der Schweiz so ein Wetter wie man/frau es gar nicht verlassen wollte... klare Luft, reine Farben, Wälder bereits am durchbunten (allerdings wohl eher infolge des Wassermangels...). Ein paar rosa gefärbte Wolken wurden von einer schwachen Bise majestätisch über das Bielermeer und in weissen, aufsteigenden Nebel geschoben. Ein richtig fantastisches Herbstwetterspektakel! Ergreifend.

Ich stieg trotzdem in den Zug nach Genf und anschliessend in den Flieger nach Athen.
Meine geliebte Stadt empfing mich düster-bewölkt, mit schwülen 28 Grad. Mit dem Bus ging es teils stockend teils flitzend durch den Verkehr in den Hafen von Piräus für einmal Übernachten. Vorbei ging es auch an der grossen blauen Basketballhalle  und dem alten Flughafen Elleniko (siehe Blog vom April 2016 "Sister, sister..." über die Flüchtlinge). In der Basketballhalle türmen sich wohl immer noch die Kartonschachteln vom Boden bis unter die Decke, gefüllt mit Klamotten und Schuhen, unsortiert... Ein paar dunkelhäutige Menschen auf dem Flughafengelände erhascht, Kleider, die zum Trocknen über Geländer gehängt wurden, und überall ganz viel Müll... ach...
Himmel und Meer prahlten mit sämtlichen Grauabstufungen: helles Grau, dunkles Grau, bläuliches, weissliches, schwärzliches Grau... Und dann: richtiger Regen! War zu erwarten, bei solchen Wolken, nur, ist mir einfach nicht in den Sinn gekommen, den Schirm miteinzupacken. Auch auf Syros, so erfuhr ich, war heute der erste Tag seit Unendlich bedecktes Wetter.


Ich mag die Hafenatmosphäre in Piräus sehr. Immer noch schwingt etwas von lange her durch die Strassen und Gassen, selbst wenn viele Läden oder Lokale seit Jahren geschlossen sind und das Quartier einen eher herabgekommenen Eindruck macht. Schiffshörner, Möwenschreie... in einer Taverne an der Strasse mit kleiner Aussicht auf den Hafen, wenn ich denn draussen sitzen würde, zu Abend essen... griechische Musik hören, vorbeirauschender Feierabendverkehr, Regen prasselt, und vier Sittiche in vier Käfigen, die sich durch die Stäbe, den Raum und den Lärm zuzwitschern als wären sie im Paradies.

Es ist immer ein grosser Moment, der erste Bissen griechisches Brot: einfach nature, in Tzatziki oder Sosse getaucht. Himmlisch!


Bohnen 
mit 
Erbsen
und
Kartoffeln
an 
Tomatensauce
Brot
ein
Glas
Wein.

Eine
handvoll
Gäste. 

Schön.




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Freitag, 19. August 2016

Schweiz usw.



Schöne Badi Twann...

Ich reiste mit dem Sommer oder er mit mir, in die Schweiz zurück. Das erleichterte den Übergang von jener Welt in diese und die Angewöhnung an das viele satte Grün. Zur präventiven Depressionsverhütung durfte ich auch sofort wieder ins Strandbad Twann zur Arbeit. Das war wunderbar! Der Sommer blieb zwei Tage, bevor er sich wieder davon machte und ich Socken und Wolljacke aus dem Schrank holte... Das war Ende Juni. Nach verschiedenen kurzen und längeren Schönwetterperioden ist es nun schon fast Herbst geworden und ich sitze in meinem Arbeitszimmer mit Socken und Wolljacke. Sie sagen der Sommer wird nächste Woche noch einmal voll aufdrehen. Vielleicht, das ist meine Hoffnung, ist die Wassertemperatur des Sees bis dann nicht ganz in den Winter abgerutscht, so dass man unser "Bieler-Meer" noch etwas geniessen kann. Das wäre schön. In unserem Strandbad haben wir nämlich Stammkunden, und die kommen von weit her. Von Biel und von enet dem See sowieso, aber auch von Selzach und Basel-Stadt! Unsere kleine Badi ist halt ein Insider und sehr besonders*.


...am schönen Bieler-Meer. 

Neben der Badi habe ich auch wieder in den Reben und in einem Garten den ich schon seit einigen Jahren betreue gearbeitet. Klein-Neffe-und-Nichte waren auch zu Besuch und wollten im Kinderwagen gestossen oder hier und dort "ufeglupft" werden. Ohne genau zu wissen wie mir geschah stand ich dann eines Abends in meinem Garten und konnte mich kaum noch bewegen... Tja. Hexenschüsse kommen nicht nur von schwitzend im Durchzugsitzen. Man kann sie sich auch erarbeiten. Die gute Seite daran ist, man hat plötzlich mehr Zeit zur Verfügung, spaziert öfters in der nahen Umgebung und überlegt sich allerlei Allgemeines übers Leben und Dasein, vielleicht auch, ob man selbst noch auf der richtigen Spur ist. Zu Letzterem kann ich derzeit nicht viel konkretes sagen. Zum Allgemeinen aber schon.



 Rosenwunder im Rebberg.

Währenddem ich nämlich in Griechenland Bäume pflanzte und meine neuen, kleinen Freunde wässerte, hegte und pflegte, wurde bei mir zu Hause ein ganzer Wald gerodet. 



Nun steht er ganz alleine da.


Zwar hat die Nachbarin in einem ihrer Mails von mehr Licht im Garten gesprochen, aber ich dachte, es müsse sich um die Tanne und allenfalls zwei weitere Bäume handeln. Ich war schockiert, als ich zurückkam und ein Schlachtfeld vorfand. Tatsächlich ist es nun so, dass wenn ich spazieren gehe, mich nicht mehr oder immer noch nicht zurechtfinde. Geografisch sozusagen. Da geht man jahrelang auf einem Weg. Und plötzlich ist neben dem Weg alles anders. Der Weg ist immer noch derselbe, aber auf Grund der veränderten Umgebung fühlt man sich seltsam desorientiert. Natürlich werden wieder neue Bäume wachsen. Man sieht sie schon ein bisschen. Aber trotzdem. Ein Nachbarskind war total betrübt und untröstlich, weil ihr Specht nun sein Daheim verloren hat. Wenn der Mensch weint, weint die Erde und alles um ihn herum mit ihm. Wenn die Erde weint, weint manch ein Mensch auch... Gross war deshalb mein Staunen, als ich sah, dass auf dem gerodeten Gelände - den Vögel sei es gedankt! - Sonnenblumen zu wachsen begannen. Jetzt blühen sie... bis zu zwei Meter hoch und noch mehr. Das ist wunderbar!



Nicht, dass ich meine, es sollten keine Bäume mehr gefällt werden. 
Nur, könnten wir das nicht auch anders angehen? 


 

 Der kleine Trost 1: das neue Grün strebt 
in unglaublicher Geschwindigkeit in die Höhe.

 

Erinnert mich, ehrlich gesagt, an Scheiterhaufen...



Der kleine Trost 2: Sonnenblumenpracht wo vorher Bäume standen.




Seltener Gast im Wald - Sonnenblume vor der Blüte.


Ich werde anfangs September wieder nach Griechenland reisen und das freut mich. Mittlerweilen ist auch klar, dass eine der zwei Wanderwochen stattfinden wird**.  Mit interessierten Menschen die Liebe zu Griechenland teilen, wandern, ins sommergewärmte Meer eintauchen... Das ist eine Freude!

Ja, und dann werde ich zu meinen Bäumen sehen.


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*Für Menschen die in der Nähe (Schweiz) wohnen: Herzliche Einladung ans Badi-Fest am 3. oder 4. September 2016, je nach Witterung. Information bei fragwürdigem Wetter: 032 315 21 53
Flyer kann heruntergeladen werden auf der Internetseite der Gemeinde Twann.

**wer will kann mitkommen, es hat noch Platz! Infos bei Imbach, Syros, September 2016.

Mittwoch, 15. Juni 2016

Insel mit den schönen Augen






Auch immer wieder schöne Insel Syros!



Wir haben Sommer – seit langem schon und wie richtig. Das ist schön, und wir geniessen es sehr. Auch wenn Wandern bei griechischer Hitze nicht so leicht zu ertragen ist. Einfach nur zum sagen. Ausserdem hatten auch wir einige Störungen mit starkem Regen und Gewitter und letztens hatten wir einen ganzen Tag lang seltsame Wolken und ziemlich heftigen und auch frischen Südwind der weisse Kronen aufs Meer zauberte und die Luft braun färbte. Nun ja, lange Erklärungen kurzer Sinn: wir haben es hier gerade umgekehrt wie in der Schweiz. Dort reden sie derzeit von „Gut-Wetter-Störungen“...


Also ich war mit den Flüchtlingen in Piräus und ich habe mit einer parea Bäume gepflanzt. Davon schrieb ich bereits. Für das Bäumepflanzen, resp. die Anstrengungen zur Verschönerung der Umgebung (wie das hier auch genannt wird), habe ich, haben wir schon einiges Lob erhalten, von Bekannten und von der örtlichen Zeitung. Das ist schön, nur, Bäume zu pflanzen ist ja keine Kunst. Sie gross zu bringen dagegen schon. Wöchentliches wässern, jäten, Schilf aushacken... Zur griechischen Osterzeit hatte ich eine Gruppe wanderfreudige Freunde hier. Wir durchlebten die Passionswoche, feierten Ostern zusammen mit Syrianern, genossen es uns in der Natur aufzuhalten, also zu wandern und auch, etwas für die Natur zu tun. Und so taten wir. Mein Dank und meine Freude sind gross! 




Woran zwei Hände lange arbeiten...



schaffen es viele in kürzerer Zeit.



Ich danke von Herzen sehr!


Und auch während meinen Abwesenheiten (ich war auf Kos und Karpathos), half ein Bekannter mit wöchentlichem Wässern aus. Auch ihm sei von Herzen gedankt! Meine Freude bei der Rückkehr: die Oleander blühen, die Tamarisken haben in alle Richtungen ausgeschlagen, die Johannisbrotbäumchen machten herzallerliebste kleine, neue Blättchen. Und bis jetzt haben alle gepflanzten Bäume überlebt. Stelios der pensionierte Schlosser der oberhalb unseres Grundstücks seine Werkstatt hat, schien sich auch zu freuen, lud er mich doch das letzte Mal als ich bei den Bäumen wässerte, zum ersten Mal zur Kaffeepause ein. Jedes Mal, wenn er jemanden von uns sieht, versucht er zu überzeugen, dass wir eine automatische Bewässerungsanlage installieren müssen, das wäre viel einfacher, und man hätte dann Zeit für anderes. Zum Beispiel zum Sitzen und Kaffeetrinken. Ich wiederum erkläre ihm jedes Mal, dass das nicht das Anliegen ist. Sondern dass es viel eher darum geht Zeit mit den Bäumen, mit dem Ort, und in der Umgebung zu verbringen. Sein pensionierter Freund Leftheris, der zufällig auch zum Kaffee dort war, verstand sofort was ich meinte. „Und der Schilf (kalamia) muss auch weg,“ auch das sagt Stelios jedes Mal, „sonst nimmt er die schöne Aussicht, und schliesslich wohne ich ja hier!“ Immerhin hat er dann doch sehr gestaunt, als die kalamia (oh, sie wachsen unendlich gut, üppig und schnell und im Moment noch immer wieder! Und ihre Wurzeln sind tief und fest im Boden!) ein paar Stunden später beseitigt waren. 




Kos Stadt.




Bizarre Steinformationen mit Bewohnern.


Und Kühe mit richtigen Hörnern gibt es auf Kos auch!



Und wie es zu meinen Ausflügen auf Kos und Karpathos kam? Nun auf Kos habe ich eine Reiseleiterin die für Imbach wandert aber nicht konnte stellvertreten, nicht dieselbe wie letztes Jahr. Und auf Karpathos habe ich eine Einführung erhalten, auch mit Imbach. Zusammengefasst: es war einfach schön! Und ich habe viel gesehen und erlebt! Teilweise war es etwas abenteuerlich, dies v.a. was die Reise Kos betrifft. Aber vielleicht gehört das zum Einstieg in ein neues Metier. Sozusagen Feuerprobe. Die Reise beinhaltete zwei Tagesausflüge auf die Nachbarsinseln Kalymnos und Nysiros. Und so gab es allerhand zu organisieren und sämtliche Wanderwege im Voraus abzulaufen. So weit so gut. Dann startete und endete die Wanderwoche mit für die Jahreszeit aussergewöhnlichen Regenschauern. Neben einem verknaxten Fuss und einem Sturz mit Blut (beides zwar ärgerlich für die Betroffenen, aber Gott sei Dank glimpflich!) gab es auch einen Bienenstich ins Gesicht mit bedrohlicher Schwellung und Gang ins Spital – dieser betraf mich. Wobei zu betonen ist, dass das Timing für den Stich sozusagen perfekt war, sodass das Tages- und auch weitere Programm ohne Einschränkungen durchgeführt werden konnte. War alles in allem eine besondere Erfahrung, wie das eigene Gesicht zur Unkenntlichkeit transformieren kann und wie es ist, mit so einem Gesicht der Öffentlichkeit ausgesetzt zu sein. Nichts desto Trotz erlebten wir viel Schönes auf der Insel des Hippokrates, und den anderen beiden. Üppige Natur, eine Vulkaninsel, interessante Steinformationen, nette Menschen, immer feines Essen, Zimmer mit Meerblick. Wobei die Koer dieses Jahr an, wie sie sagen, stark reduziertem Tourismus leiden. „Wegen den Flüchtlingen kommen die Leute nicht! Dabei haben wir gar keine mehr!“ Das Unverständnis ist gross. Als wenn sie nicht schon genug mit der Krise zu tun hätten, bleibt nun der erhoffte Tourismus aus. Eine fatale Kombination.



Schlafen, träumen und gesunden! Asklepieion Kos.


Einfach SCHÖN! oder?



Blick vom schönsten Berg-Kafenion von ganz Kos und eventuell 
überhaupt auf Alt-Pyli (hinter den Bäumen)!...




...und mit der schönsten Toilette; derzeit in der Schweiz nicht sehr kompatibel...



Vulkaninsel Nysiros: wunschlos glücklich ist man...



 

...wenn der Schwefelgeruch dank Windrichtung von einem weggeweht wird.



Kalymnos: Tag ein Tag aus schaut er in den Himmel...


Die Gäste reisten dann wieder nach Hause, und ich also nach Karpathos. Ja, Karpathos. Was für ein Flecken Erde der Berge und Wanderwege wie im Alpstein oder Berner Oberland offeriert! Und dieser Flecken liegt am Ende der Welt, möchte man sagen. Aber natürlich liegt er im Mittelmeer. Und zwar im schönsten Mittelmeer und das ist zwischen Kreta und Rhodos. 



 Viele Wege führen nach überall hin!



Die Reise mit dem Schiff war besonders. Auf dem letzten Stück Fahrt hatten wir sehr viel Wind und Wellen. Eigentlich gehört sich das so, wenn man zu einer wilden Insel fährt... Bevor mir ganz übel wurde, schaffte ich es gerade noch vom schönsten Platz des Schiffes ganz vorne bis in seine Mitte, wo es weniger schaukelte. 



Da ging es mir gerade noch gut. Je näher wir aber dem Flecken kamen, desto
wilder wurde die See, auch wenn sie hier nicht danach aussieht... 


Am Nebentisch sass eine kleine Gruppe älterer Menschen, die in einem griechischen Dialekt miteinander sprachen von dem ich nur ein paar Worte verstand. Vertrauter Klang von lange, lange her... Die Bluestar Ferry 2, eine riesige Fähre die viele Hunderte Passagiere und fast ebenso viele Autos transportieren kann, fuhr gerade mal ein paar Hand voll Reisende über die stürmische See. Ein paar Hand voll... Vor knapp 20 Jahren, als ich zum ersten Mal auf Karpathos war, war die Atmosphäre die gleiche, nur reiste ich damals mit dem Flugzeug.





Schönes, schönes Karpathos!


Die Farbigkeit, die in der Landschaft nicht zu finden ist, 
findet sich auf Fussböden.



Nun ja, das Bild von Pigadia, dem Anlegehafen - heute auch Karpathos Stadt genannt - hatte ich nicht mehr so genau im Gedächtnis. Äusserlich hat sich einiges verändert: es gibt Supermärkte mit Parkgaragen, wenige, jedoch edle Hotelkomplexe gleich am Meer, schicke Lokale... all das nur im Hauptort, wohlverstanden. Ansonsten keine grossen oder modernen Hotelanlagen, vielleicht ein paar neue Häuser. Aber die Stimmung von damals war mit dem Betreten der Insel sofort wieder da, die Inselbewohner sind wie sie waren: etwas wild und eigen, mit herbem Charme und... schönen Augen!... ach... Es war wie heimkommen - obwohl ich damals nicht einmal eine besonders glückliche Zeit erlebte, wofür die Insel und auch die Menschen aber nichts konnten. 
 


Eigentlich könnte man sagen ist Karpathos ein einziger Berg - mit Ausnahme des südlichsten Zipfels, auf dem auch der Flughafen ist. Dort ist man plötzlich mit einer Einöde konfrontiert, bei deren Anblick man sich fragt, "Wo um Himmelswillen bin ich gelandet???" Diesen Kontrast und auch andere, muss man aushalten können, wenn man hierher kommt...



Meine grösste Überraschung: so perfektes von Griechen gesprochenes Englisch wie hier habe ich nicht einmal auf Kos gehört, wo ich gerade herkam. Sogar die Verkäuferin an der Kasse im kleinen Supermarkt dessen Auswahl in den Gestellen an eine Zeit des Kommunismus erinnert, blieb stoisch beim "Yes please?".  Das hat damit zu tun, dass Karpathos eine klassische Auswandererinsel war. Die Menschen reisten nach Australien, USA oder Kanada um der Not zu entrinnen. Evt zu Ostern, aber ganz sicher im Sommer kamen sie regelmässig zurück in die Ferien. Man nannte sie auch Frisbees. In die Ferne geworfen um zu überleben... aber immer wieder zurückkehrend. Einige wurden krank oder verrückt vor lauter Heimweh nach ihrer Insel. 




Einschlafen und Aufwachen mit Meeresrauschen... braucht man mehr?



Herrliche Landschaften...



...und für das schönheitsliebende Auge ästhetische Zumutungen! 
Eigenwillige Bauweise, immerhin zugunsten der Palme!


Ich kam einen Tag vor der Wandergruppe an, übernachtete in Pigadia, und sollte anderntags nach Lefkos in unser Hotel. "Ein Bus nach Lefkos? Nein, den gibt es nicht zu dieser Jahreszeit, das heisst, schon, aber nur jeden zweiten Tag." "Ein Taxi? VIEL zu teuer! Besser Du mietest ein Auto - hast Du einen Fahrausweis?" "Ich würde Dich hinfahren... aber morgen muss ich gerade nicht dorthin." Damals sagte mir jemand der öfters hier war: "Um Kaprathos und seine Bewohner zu verstehen muss man mit ihnen erst einen Sack Salz futtern." Ich hatte sie nicht nach der Grösse des Sackes gefragt. Schliesslich entschied ich mich für das Taxi bis zum Flughafen (das war vielleicht ein Drittel des Weges bis zum Ziel) mit dem gleichen Taxifahrer, der mich tags zuvor vom Hafen ins Hotel in Pigadia gefahren hatte. Und das war ein Volltreffer, denn, so hat es sich unterwegs im Gespräch herausgestellt, war er einer der beiden Fahrer für unsere Imbach-Gruppe. Am Flughafen also traf ich die Gruppe und Reiseleiterin und fuhr mit ihnen gemeinsam in „meinem“ Taxi ins Hotel Krinos in Lefkos. 




Unberührte Natur.


Besonders.




Diafani, verschlafenes Dörfchen am Meer...



...mit schönen Augen an Hausfassaden.



Das typische Frühstück ist: Oliven, Paximadi (getrocknete Brotstücke), 
Käse, je nach Saison in Essig eingelegte Karpernblätter. 
Für Touristen tischen sie aber auch Brot, Butter und Marmelade auf.



Ja, und dann war ich damit beschäftig Höhenmeter zu bewältigen: 1100 m hoch und genau so viele wieder runter, im Wechsel und in Varianten. Nicht nur wegen dem dichten Wander-Programm hatte ich keine Zeit zum Schreiben. Einerseits bekam ich eine Einführung in die Tour und ins Reise-Leiten und deshalb gabs mit der Reiseleiterin viel auszutauschen. Andererseits tat auch die schlechte Verbindung in den Orbit das ihre dazu. Das ist eben so auf Karpathos – man lebt in einer anderen Zeit. Die Strasse von Olympos, dem schönsten Bergdorf in der ganzen Ägäis und mit regem Tourismus wohlverstanden, nach Pigadia wurde erst vor zwei Jahren asphaltiert! Damals, also vor 20 Jahren, hatte ich das Glück, dass mich jemand mit dem Pickup von Olympos nach Pigadia mitnahm, auf der Naturstrasse, ca.50 km... Öfteren Busverkehr gab’s (und gibt’s auch heutzutage) nur in der Hochsaison, das heisst während ein paar Wochen im Jahr. 



Der schönste Berg beim schönsten Dorf...



Olympos: wahrlich das schönste Bergdorf in der gesamten Ägäis!



Und hinter allem steht die Mutter mit dem Kind... 
In Olympos herrscht noch das Matriachat. 
Das heisst, die älteste Tochter erbt den gesamten Besitz der Mutter.




Und genau auf diesem Flecken Erde findet man Griechenland wie es einmal war: ein bisschen unperfekt, etwas schlitzohrig, herzallerliebst und... mit den schönsten Augen! Ein Flecken Erde, an den die Seele immer wieder zurückkehrt. Ich merke das daran, dass ich nun gelegentlich meine, ich würde diese und jene Menschen in meinem Alltag treffen, bis mir bewusst wird, dass diese und jene Menschen auf Karpathos sind und ich schon wieder auf Syros bin. Tja. Da gibt es nur eines, oder?




Abendstimmung. Blick von Olympos in den Westen.


Bis es wieder soweit ist, verbringe ich erst noch ein paar Tage auf der auch schönen Insel Syros, kümmere mich um meine Bäume, bevor mein Aufenthalt in meinem geliebten Ellada sich ehrlich gesagt sehr leider seinem Ende nähert und ich erst einmal wieder zurück in die Schweiz muss. Natürlich werde ich wieder kommen. Aber ist das ein Trost? Zumal dort noch immer kein Sommer in Sichtweite ist! Was die Bäume betrifft, wird eine liebe Bekannte, die ihre restliche Lebenszeit der Natur verschrieben hat, während meiner Abwesenheit wässern. Ich danke von Herzen sehr!

Wen die Sehnsucht gepackt hat und drum auf Karpathos zu wandern es wagen will (5 Männli) kann das mit Barbara im September tun:
http://www.imbach.ch/suche/?buchungscode=wakarp



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