Montag, 27. April 2015

Rote Punkte




Der rote Punkt - hier in schöner Korrespondenz mit der Kirchenkuppel im Hintergrund!
  
Das Wetter hat sich seit Ostern verhältnismässig gut gehalten. Dennoch, die Temperaturen sind immer noch einigermassen tief, ab und zu gibts Regentropfen. Ungewöhnlich, sagen die Menschen hier. Sie sehnen sich nach Sonne und Wärme nach diesem kalten, langen Winter. Trauriges Wetter (bedeckt, Regen, Kühle, Wolken bis zur Erde), spürt man derzeit sofort in der Atmosphäre. Was mich betrifft, so werde ich wind-fühling. Nordwind ist zwar kühl, aber trocken. Dreht er gen Süden, und... man/frau merkt es sofort, kommt Feuchtigkeit, fröstelts mich auch noch bei 20 Grad, und die Wäsche trocknet allenfalls mit zweimal aufhängen: das erste Mal draussen den ganzen Tag über antrocknen und das zweite Mal drinnen zum fertig trocknen... wenn denn abends noch die Heizung läuft. Selbstverständlich studiert frau bevor sie wäscht die Wettervorhersage - nur, auch hier prophezeien verschiedene Frösche allerlei Wetter. Am eindrücklichsten ist, wenn sich der Wind im Kreise dreht...

HEUTE wird die Wäsche im Husch trocken, denn HEUTE macht der Süden seinem Namen alle Ehre - JETZT - windstill, mild, fantastisches, unendlich weites Blau oben und etwas dunkler dem Horizont entlang, und Düfte wie im richtigen Frühling! Endlich so, wie man es sich vorstellt, wenn man "Süden" denkt oder hört. Wunderbar!



Und herzlich grüsst die glückliche Hühnerfamilie eine Freundin in der Schweiz.

 
Dem Ruf des Wassers, eben diesem dunklen Blau, folge ich und tauche ein, wann immer es geht - ach thalassaki mu! Das Wasser ist immer noch sehr kalt, das sagen auch jene, die den ganzen Winter über geschwommen sind... aber schön ist es trotzdem und jedes Mal wie "neu geboren werden". Möchte man das missen?



...es war schon etwas spät, aber von der Stimmung her einmalig!





Ausnahmsweise Wasser im Bach. Grün mit etwas Rot (Mitte links).


Wie schon erwähnt, bin ich derzeit damit beschäftigt, rote Punkte zu finden oder auch welche zu malen, sofern sie unauffindbar sind, resp. von der Witterung gefressen wurden. Mein Aufenthalt hier ist nämlich damit begründet, dass eine meiner lieben Syros-Freundinnen mit ihrem Mann für längere Zeit ins Schweizerland gereist ist. Nun hüte ich einerseits Katzen und Haus, und betätige mich in einem grossen, schönen Garten. Andererseits mache ich ausnahmsweise in Bälde was die Freundin sonst regelmässig macht, nämlich für Imbach* wandern. Anfangs Mai kommt die erste von zwei Klein-Wandergruppen, die ich über die Insel führen darf. Tatsächlich ist es so, dass meine allerersten zwei Griechenlandreisen mit Imbach stattfanden, da war ich 18 Jahre alt, und das war "Wandern auf Kreta" und eine Reise auf der Peloponnes. Und das habe ich noch in lebhafter Erinnerung und das war schön! 



Minzefeld, wildwachsend - ach...




So kann es einem unterwegs auch anschauen.



Fast schon Kunst oder tatsächlich bereits?



Und wie es zu diesem Engagement gekommen ist? Ja, das ist eine lange Geschichte. Jedenfalls hat es etwas mit der geheimnisvollen Insel zu tun (siehe Blog "die Heimliche und der grüne Atem") und es erschüttert mich geradezu, wenn ich daran denke, dass ich vor ein paar wenigen Jahren nichts, aber wirklich nichts von diesem Flecken Erde wissen wollte... Was ich alles verpasst hätte! Eine Stadt voller Überraschungen und Schönheit, Aikido Syros, Pontisch Tanzen, herzallerliebste Samtpfoten, Kraftplätze die einem ins höchste aller Gefühle versetzen. Aber ohne die vielen Menschen, die mir mit ihren offenen Herzen, mit ihrer Wärme, mit ihrem Wohlwollen und ihrer Freundlichkeit entgegenkommen und begegnen, wäre all das rundum nichts! Tja, nun bin ich hier und möchte gar nicht mehr weg. So kann es einem ergehen. 




 Klein aber fein - Aikido Syros grüsst den Rest der Welt ;-)



Der hintere Teil der Gymnastikhalle ist nun für Aikido, Karate, Jaido reserviert
Das ist eine Erneuerung seit dem letzen Mal, als ich hier war. 




Wo ich zögerte, kürzlich bei einer Wanderung, gingen sie 
voran und zeigten mir den Weg: eines von zwei Rebhühnern.


Wanderweg: echli wild - aber soooo schön!

Also bin ich in Vorbereitung für die Gäste, die bald kommen werden. Wanderungen nochmal ablaufen, Alternativen rekognoszieren, Tavernen kontaktieren, Stadtführung üben, mich in dieses und jenes Thema vertiefen usw. So weiss ich's nun auch schwarz auf weiss - am eigenen Leib habe ich es ja schon unzählige Male gespürt und erlebt - dass Griechenland weltweit an zweiter Stelle steht, was die Artenvielfalt von medizinisch verwendbaren Pflanzen betrifft (steht bei Wikipedia). Diese Energie der Pflanzen erfüllt die ganze Atmosphäre, man badet darin und erstarkt! Oder wie sonst lässt sich erklären, dass ich mehr fliegend und tanzend wie gehend den Steil rauf komm'...?
Wer also nicht in Ellas zu Kräften kommt oder gesundet - muss dann wohl nach Madagaskar...



Nach ein paar Stunden wohlverdient. War lecker!




LeserInnentest: wo ist der rote Punkt?



 So habe ich es gerne... kunstvoll und eindeutig!




Wenn ich ihn richtig erkannt habe: Star of Bethlehem. Wird in der Bachblüten-Therapie 
eingesetzt, wirksam bei Schocks und Traumatas von ebenerst oder auch von lange her. 


 
 *Imbach Wanderferien Schweiz
 
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Dienstag, 21. April 2015

SO SCHÖN!

Karfreitag-Abend: es war ein schöner Umzug. Ich war mit den Freunden aus Athen, die mir letztes Jahr ihr Haus in Ermoupolis vermietet hatten. Die Prozession geht durch ihre Strasse, und am Treppenabsatz zu ihrem Haus macht sie Station, um Namen von Vorfahren vom Pope lesen zu lassen, seitenweise. Das war sehr besonders. Später auf dem Miauli-Platz vor dem Rathaus, kamen die 3 Epitaphi der Orthodoxen Kirchen der Stadt zusammen. Ich weiss nicht, wie das bei den Katholiken ablief. Früher, so las ich, hätten sich die katholisch und orthodox Gläubigen am Hafen getroffen und als Zeichen der Freundschaft umarmt und sich gemeinsam gefreut. Als ich das meinen Freunden erzählte und nachfragte meinten diese, davon hätten sie noch nie gehört. Tatsächlich war das Einvernehmen der verschiedenen Konfessionen zeitweise sehr schwierig. Manche hätten es noch erlebt, dass man nicht auf dem gleichen Gehsteig gegangen ist, und querkonfessionelle Hochzeiten waren bis noch vor 15 Jahren unvorstellbar. 



Das Verlesen der Namen der Vorfahren. 


 

Der Epitaph, symbolisches, wunderschön geschmücktes Grab Jesu,
wird von starken Männern durch die Strassen getragen.





 Warten auf die letzte Prozession.




Der Rede des Metropoliten folgten nicht alle Zuschauer bis zum Schluss
Zu tief waren die Temperaturen und zu kalt wehte der Wind.


An Ostern, sagen die Griechen und so ist es der Brauch, soll niemand alleine sein. Also war ich eingeladen und es war fantastischst wunderbar! 
 


Aussicht am Ort der Feier.

Erste Auferstehung, Christos Anesti, Auferstehungs-Suppe um Mitternacht (Magiritsa heisst sie - Gemüse, Ei und Innereien. Geht auch vegetarisch mit Pilzen. Beides war lecker!), Parea, Lachen, Schwatzen, Lamm auf Spiess, rote Eier (ah... ich wurde 3x Gewinnerin des Eiertütschens... dummerweise habe ich vergessen zu fragen, was das für den Rest des Jahres oder Lebens bedeutet...) laute Musik, allerlei Gutes, Wein. So erlebte ich es zum ersten Mal. Die Freude der Menschen transformierte sich spürbar in die Atmosphäre - denn, pünktlich mit der Auferstehung Christi kam über Nacht auch der warme Frühling. Wir feierten unter blaustem Himmel, kurzärmlig und suchten zeitweise bereits den Schatten. 



  Für unsereins gewöhnungsbedürftig: Lamm auf Spiess.



 Die werdende Festtafel mit Aussicht.



 
Gastgeber und Chirurg am Werk.

 



 Festessen. Man beachte die Serviette!


Nur getanzt habe ich nicht - das heisst, innerlich schon, denn die Krönung des Tages war meine Wanderung von den Gastgebern zurück nach Hause. Ach, was für ein gesegneter Flecken Erde - stundenlang zu Fuss unterwegs, kaum müde und total beglückt! Das Licht, die Düfte, die Farben, die vielfältige Natur, das Gestein! Was für eine Herrlichkeit!



Unterwegs: Traumhaus an Traumlage.



Das Weiss-Filigrane : wilder Ruccola - lecker!



Ein Rösslein für eine Schweizer Freundin.



Und die Krönung: Galissas Beach.



Man muss es erlebt haben - vor allem auch i proti Anastassi, die erste Auferstehung. Die ist eben schon am Samstag Morgen. Man stelle sich vor: Gottesdienst in der Kirche. Plötzlich rennen die Priesterhelfer, Jungs in verschiedenem Alter, voll begeistert durch den Gottesraum in eine hintere Ecke. Die griechischen Gottesdienste sind dafür bekannt, dass sie leben, dass sozusagen "Betrieb" ist - während der Liturgie werden Kerzen von Gläubigen angezündet, Ikonen geküsst, Bekannte begrüsst, Kinder bewegen sich oft frei nach hier und dort, ein Handy schellt, einige kommen, andere gehen... Aber dass die Priesterhelfer sich so verhalten... Na ja. Dann geht plötzlich ein Getöse los, der den ganzen Kirchenraum zum erbeben bringt. Wer kann klappert mit den Holzklappstühlen, und davon hat es reichlich, so heftig und laut er oder sie kann. Der Priester geht mit Körben von grünem Blattwerk durch die Gänge und wirft dieses über den Köpfen der Menschen aus, denn Jesus ist auferstanden! 

Ich sah dann auch wie die Jungs sich gegenseitig anfeuerten, wer mehr und lauter mit Holz auf Holz schlagen konnte... Und, da war ein Lachen und eine Herzensfreude im Raum... einfach unglaublich! Ich war tagelang davon total berührt, so schön war das! 

Die Auferstehungsfeier am Abend in der Kirche war sehr still, für mich ein wenig wie Weihnachten, mit Kerzenlicht und dem "Christos Anesti" das von allen gesungen wurde. Anschliessend folgte ein lautes Feuerwerk und dann eben ging man nach Hause oder zu Freunden, ass die Auferstehungssuppe und vieles mehr, und feierte bis in den Morgen.

Die nächsten vierzig Tage, also bis Pfingsten, ist es der Brauch, dass man sich bei der Begrüssung Chronja Polla (viele Jahre!) und/oder Christos Anesti wünscht! Die Antwort darauf lautet dann ebenso Chronja Polla und/oder Alithos Anesti, resp. Alithos O Kirios! Wahrlich, er ist auferstanden! Und verbreitet Freude!

Ich habe mich derweil auf die Socken, resp. Wanderwege gemacht und suche/finde rote Punkte. Aber davon mehr, das nächste Mal.
  

CHRONIA POLLA KAI CHRISTOS ANESTI!


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Freitag, 10. April 2015

Wenn du die Sonne siehst...




  
Mitten in Athen im Grünen: mit Blick auf Lykabettos (links), 
Hymettos (mitte), Akropolis (rechts).


Meine Ankunft in Griechenland war wie immer sehr herzlich. Dieses Mal flogen wir den Flughafen über die Stadt Athen an. Ein sehr bewegender Moment, ein erstes berührendes Willkommen. Athina mou! Die kleine Akropolis in dem Häusermeer, Lykabettos, der Nationalgarten, Zappion, der Hafen von Piräus, der Hausberg Hymettos... ach! Nun gibt es Menschen die sagen, Athen sei eine furchtbare, stinkende Stadt. Dazu zitiere ich gerne und ohne weitere Ausführung von Anonymus: "Wer Athen nicht liebt, war niemals in Athen!" Und lade alle herzlich ein, einmal nach Athen zu kommen!



 Mitten in Athen: Fussgängerzone und Kaffees



Mitten in Athen: Strasse im Künstlerviertel Psirri.



 Naherholungsgebiet Hymettos: ideal für Tagesausflüge...


  
...zum Wandern... 



 ...zum Sein.



Nun bin ich wieder auf Syros, der heimlichen Insel und hüte Haus und Katzen von Freunden. 
Wie ich hörte, erfreut sich die Schweiz derzeit an herrlichstem Frühlingswetter. Ich mag es euch von Herzen gönnen - wirklich! Bei uns wirds dafür nach Ostern gleich Sommer, sagen sie. "Wir wechslen dann vom Wintermantel direkt ins Bikini!" sagte die Nachbarin. Tatsächlich frieren wir bis auf die Knochen. WIR, nicht ich allein. "the-real-feel-temperature" beträgt 3 Grad Celsius, dazu Windstärke 8 - ab neun fährt kein Schiff mehr. Immerhin scheint heute die Sonne - das Licht ist herrlichst wunderbar - das tiefe Blau des Meeres, mit dem satten Grün in der Natur - da nimmt man ein bisschen Wind in Kauf, oder? Gestern war Sturm bis 9 Beaufort und geregnet hats nur einmal. Aber wie! "In diesem Winter hats soviel geregnet, wie die letzten zwei Jahre zusammen nicht!" sagte meine Aikido-Lehrerin. Alle warten sie auf Wärme. Syros hatte heuer zwei mal richtig Schnee. Man stelle sich vor: solche Wetterverhältnisse legen das Leben lahm. Denn, wer hat schon Winterpneus? Ganz zu schweigen von den meist schlecht isolierten oder auch dichten, oder eben nicht dichten (Wasserschäden) Häusern. Eine diesen Winter neukreierte Redewendung fasst es zusammen: "Pass auf, wenn du die Sonne siehst wechselt das Wetter (zum schlechteren)!"
Gestern dankte ich es dem Himmel, dass ich nicht unmittelbar AM Meer wohne. Der Sturm, der über die Insel jagte war nämlich beeindruckend. Gut, dass auch eine Insel festen Grund und Boden hat, so dass sie nirgendwohin weggefegt werden kann!





 Palmsonntagskreuze


Wir sind in der Karwoche, und werden am Wochenende die Auferstehung Christi feiern. Griechenland bewegt sich, was Ostern betrifft, nach dem Julianischen Kalender. Die ganze Woche schon finden morgens und abends Gottesdienste statt, stundenlang. Vor allem in der Agios Nikolaos Kirche in Ermoupolis werden diese zum Highlight Byzantinischer Musik. Man muss es erlebt haben. Auch was sich neben den Ritualen im Kirchenraum alles abspielt. Eine Freundin beschrieb es so: "Es ist wie eine grosse Klassenzusammenkunft. Die Familie, die Freunde kommen von wo auch immer her auf die Insel, nach Hause, um gemeinsam Ostern zu feiern." Wiedersehensfreude in der Kirche, nach einem Jahr oder länger. Ein wesentliches Merkmal im orthodoxen Glauben ist auch, dass der Fokus auf der Auferstehung liegt, nicht so sehr auf dem Leiden, dem Sündigen. Das macht ein wesentlicher Unterschied. Und, zu Ostern gehen ALLE in die Kirche. Volle Räume, schon in der Karwoche. Eier werden auch bemalt - allerdings ausschliesslich rot. Solche mit Müsterli oder Zwiebelschalenbraun ect. kommen nicht so gut an. 





Fluch oder Segen? Für Schleckmäuler das Paradies auf Erden: 
die Zacharoplastio - der Zuckerladen.




Heute ist Karfreitag - am Abend gibts Prozessionen. Das symbolische Grab Jesu wird von den verschiedenen Kirchen auf den Platz vor dem Dimarchio, dem Rathaus getragen. Ein grosses Ereignis und auf Syros soll es besonders schön sein, sagen sie. Eine Besonderheit hier ist, dass die Insel zur Hälfte aus Katholiken besteht, und diese Ostern mit den Orthodoxen in gewisser Weise gemeinsam feiern. Sicher beide auf ihre Art. Aber im Verlauf der Jahrhunderte hat man sich doch etwas angenähert, kann man sagen.

"Kalo Pascha" folgt zur Zeit nach jedem "Auf Wiedersehen". Bald hört man: "Christos anesti!" "Alithos anesti!" - "Christus ist auferstanden!" "Wahrlich er ist auferstanden!"

FROHE OSTERN!


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Donnerstag, 12. März 2015

FRÜH - LINGE










Es ist nicht so, dass ich die ganze Zeit über nichts zu berichten gehabt hätte - zum Beispiel vom schönsten Arbeitsweg den ich in der Schweiz je hatte oder über die atemberaubenden Winterimpressionen vor meiner Haustüre. Aber irgendwie... irgendwie war ich einfach ständig mit allerhand Weltlichem beschäftigt. 
Nun, beschäftigt bin ich immer noch - eventuell sogar noch mehr wie in den vergangenen Monate, weil eine Reise in den Süden naht und es deswegen noch vorzubereiten, zu organisieren, abzuschliessen gibt... ABER mein kürzlich getätigter Gang in den Garten hat eine Freude ausgelöst, die ich gerne mit euch teilen möchte: in einem bemitleidenswerten Feld von brauner klumpiger Erde mit spärlichem wintererschöpftem Grün darin das meinen herzallerliebsten Garten darstellt, entdeckte ich vor ein paar Tagen einen blauen Punkt - einen Punkt, der sich innerhalb von wenigen Stunden zu blau-gelbem Leuchten transformierte. FRÜHLING! Auch wenn die Bise die Kälte noch in die Knochen treibt, FRÜHLING! Ach... Der erste Schmetterling gaukelte kurz darauf über die Wiese, und auch Nachbars Bienen haben mutige Ausflüge in unseren Garten gewagt. Keine Ahnung, ob alles etwas verfrüht ist. Mein System jedenfalls ist bereit für Sonne, Wärme, Düfte, Farbenpracht - und neue Projekte.







 
Ende März gehts in mein geliebtes Griechenland. Neuerdings darf ich mich darin versuchen, ähnlich begeisterte Menschen oder solche die es werden wollen, über die zauberhafteste aller Kykladeninseln zu führen. Ja, ein bisschen aufgeregt bin ich schon. Nicht nur wegen der neuen Aufgabe, auch wegen Griechenland. Ob es uns erhalten bleibt?
Von hier aus meine ich sagen zu dürfen: endlich hat es eine Regierung gewagt den Mund aufzutun. Und mein Herz füllt sich mit Freude und auch ein bisschen Stolz, wenn ich an die Auftritte von Varoufakis in den vergangenen Wochen denke, daran, wie er ganz Europa zum Zittern brachte. Einfach einmal etwas ganz anderes im politischen Welttheater, oder? Die Geschichte der Griechen zeigt, dass sie sehr wohl zu mancherlei Grossem fähig und ohne Zweifel eine Spezie sind, die nicht unterzukriegen ist. Aber tatsächlich steht die ganze Sache auf wackeligen Beinen. Wie es sich von "zu Hause" aus ansieht und anfühlt werde ich schon bald erfahren.

Bis dahin schaue ich staunend in meinen Garten wo mittlerweilen zwei Flecken tiefstes Blau und leuchtendes Gelb ihr Versprechen wahrmachen: no matter what - FRÜHLING!


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Dienstag, 8. Juli 2014

Naturgarten - Herzgarten. Für eine Freundin.





Im Naturgarten bei schönem Wetter.




Bei nicht so schönem Wetter - auch noch schön, oder?
Die Wittwenblume, zusammengebunden und nicht so gut 
ersichtlich vorne links, schaffte es heuer auf 1m80!



Eine mir liebe Freundin, die ich allerdings selten sehe, fragte mich kürzlich bei der Begrüssung: "Warum schreibst du eigentlich keine Blogs in der Schweiz? Ich vermisse deine Berichte." Wahrlich ging mir vor nicht langer Zeit, als ich bei der Arbeitspause in den Reben zwischen den Weinblätter hindurch in den Himmel spähte, das gleiche durch den Kopf: Ich könnte doch auch hier tun was ich dort tue.

Wobei, das muss auch gesagt sein obwohl wir es alle wissen, einen gewohnten Blick sich immer wieder neu gebären zu lassen ist nicht so einfach, und schliesslich wohne ich nun schon sieben Jahre und etwas mehr am gleichen Ort (was bemerkenswert ist, da ich vorher im Schnitt alle zwei Jahre umzog), und nenne das hier eine gewohnte Umgebung, auch wenn ich ab und zu in Griechenland bin. Tatsächlich fragte ich mich in letzter Zeit des Öfters, wie lange es wohl in Griechenland dauern würde, bis mein Blick, resp. der Alltag Gewohnheit würde...

Wie dem auch sei: den Wunsch in meinem Ohr und dem Versuch eine Chance gebend schreibe ich...




 Der alte Tisch ganz neu jetzt in weiss, anstelle von rot-blau. 
Extra wegen der Blumen. Die würden sonst nämlich nicht zur Geltung kommen.



Wie man weiss, ich bin wieder in der Schweiz - und dieses Hiersein ist, offen gesagt, aus verschiedenen Gründen nicht ganz einfach. Dass ich Griechenland pauschal vermisse ist klar. Dann aber fehlt mir auch die neue Parea, Menschen, die ich in den drei Monaten dort sehr lieb gewonnen habe. Auch fühle ich mich dort mit meinem eher unkonventionellen Lebensstil aufgehoben, weil viele Menschen auf Grund der Krise auch einfach nur den jeweils nächsten Schritt gehen und sich in Vertrauen üben oder sogar vorbildlich vorausgehen wenn sie sagen "Gott wirds schon richten"... Ausserdem ist Improvisation dort nicht nur ein Wort das in der Musik verwendet, sondern im täglichen Leben immer wieder auf's Neue umgesetzt wird. Auch fühle ich mich in Griechenland von Etwas geführt, dass ich hier nicht so einfach zu finden scheine, obwohl es überall auf der Welt existiert*. Einmal zum Beispiel kam ich im Zentrum von Athen mit einer Frau ins Gespräch - ich war auf der Durchreise vom Kloster auf die Insel. Und eigentlich fragte ich die Frau nach den Wetteraussichten für die nächsten Tage, weil mein Schiff auf Grund des Windes nicht ablegen wollte, und ich meine verfügbare Zeit für die Insel bedroht sah. Wir kamen ins Gespräch, und es stellte sich heraus, dass die Frau meine geliebte Gerondissa und das Kloster von wo ich gerade herkam auch kennt und schon dort war... In diesem Fall, so könnte man sagen, war es der begleitende kösterliche Segen - aber in Griechenland erlebte und erlebe ich zu Hauf solche Begebenheiten. Diese Art "Zu-Fälle" oder dieses Geführt-Sein bringe ich zum grösseren Teil mit der Orthodoxie in Verbindung. Meinen Beobachtungen zur Folge hat das nicht unbedingt etwas mit der Kirche zu tun oder überhaupt mit Tun. ES geschieht einfach. Aber eigentlich wollte ich darüber jetzt nicht schreiben. Eigentlich wollte ich sowieso nicht über Griechenland schreiben.





Auch bei uns: Bielersee mit St.Petersinsel




 Bielersee mit Fischreiher und Berneroberland-Panorama.
Fast wie richtig im Sommer...



Und überhaupt wäre ich eigentlich in der Badi - dort habe ich den Sommer über, also jetzt, nämlich einen Job im Kiosk. Nur, bei diesem Wetter bleibt die Badi zu, weil eh niemand kommt (zum Verständnis meiner ausländischen LeserInnen: ca. zehn Tage Regen mit Temperatursturz auf bis zu 9 Grad! Und wer weiss denn schon, wie's nachher kommt...). Verständlich. Ich ginge ja auch nicht hin. Das Schwierige an dieser Situation ist nur, dass man/frau/ich weiss, dass anderorts tatsächlich Sommer stattfindet. Barfuss laufen, draussen sitzen bis in alle Nacht, die Würze und Wärme des Tages nachkosten, Abendessen vom Feuer, mit offenem Fenster schlafen, Mückengesurre, tagsüber schwitzen vor lauter Hitze, träge werden im Körper und Geist, Wassermelonen, Joghurt, kalte Suppen und Salate, Schatten suchen, Hängematte, Schwimmen, ein Duft von Sonnencrème in der Luft, leichte Kleidung, von kühleren Temperaturen träumen... Nein, ich bin nicht abhängig vom Wetter, aber in gewisser Weise beeinflussbar. Und im Moment scheint mir auch "...ah, die Natur braucht das Wasser!" eine etwas boshafte Floskel. Silvia, auf Syros lebend, wurde von Einheimischen kürzlich gefragt, warum es in der Schweiz so grün ist... Und wer jetzt sagt, "...Aber was denn! Der Sommer war doch bisher wunderbar!", der trägt definitiv ein anderes Begehren von Sommer in sich wie ich. Ich träume von zwei, drei Monaten Sonne und Wärme (ohne Nordwind!), ab und zu ein Gewitter, evt. 2-3 Tagen Dauerregen.
Irgendwie möchte ich immer noch daran glauben, dass man das oder zumindest so ähnlich in der Schweiz auch haben kann...




Mein Ausblick aus dem Kiosk - wenn das Wetter mich lässt...
Ist schon schön, oder? Wenn man die Augen kneift, das gegenüberliegende Ufer 
ausblendet, und sich nur auf die Farben und Spiele des Wassers konzentriert, an bestimmten und
besonderen Tagen... könnte man fast meinen, man/frau sei am Mittelmeer!




Ike, Schweizerin, die 30 Jahre auf Symi lebte (siehe Blog: "Die Eule von Symi" - Teil 1 vom 10. Dezember 2011) und nun wegen der Krise in Griechenland für Arbeit in der Schweiz ist, gestand ich vor einigen Wochen in einem Mail: "Lachtaro tin Ellada - Ich sehne mich nach Griechenland." Die Antwort kam messerscharf zurück: "Wer das Wort "lachtaro" kennt, muss sofort nach Griechenland zurück!" Das gab mir einen Stich ins Herz. Weil, im Moment sieht es gar nicht danach aus, als könnte ich bald schon wieder und einfach so gehen... ausser..., vielleicht... ich würde nun wirklich meine Zelte hier abbrechen und dort ein neues Leben versuchen. Ich dachte schon daran, zum Beispiel letztes Jahr, als das Projekt "joy of life - workshop in experimenteller kunst" konkret wurde und ich für meine 3 Monate auf Syros plante.





Tut ihrem Namen heuer alle Ehre: Ihre Majestät Königskerze - Durchmesser 1m20!





Meine geliebten Karden und Stockrosen.







Heuer ist manches anders: macht ausnahmsweise zwei Ringe. Wie kommt's?






 Deshalb bin ich jetzt nicht in Griechenland.
Mein Fingerhut.



Aber dann entdeckte ich in meinem Garten ca. 20 Fingerhut-Ableger. Fingerhut, hochgiftig, ist eines der besten Herzmittel in der naturheilpraktischen Medizin, und ich deutete die Zeichen für ein grosses Geschenk. Es wuchsen in knapp sieben Jahren bisher ungefähr zwei mal ein Fingerhut, und ich weiss gar nicht, wie er überhaupt in den Garten fand. Auf jeden Fall war klar, dass meine Auswanderung verschoben werden musste, weil ich meinen Garten, sprich den Fingerhut, nicht einem ungewissen Schicksal überlassen wollte... schliesslich hat man/frau auch dem Garten gegenüber eine gewisse Verantwortung. Tja. Nun also sitze ich hier. An manchem Schönen, dass vielversprechend die ersten kleinen Blättchen aus der Erde gestossen hat, taten sich Hunderte von Schnecken gütlich, wenn nicht noch mehr... und liessen, zwar schöne braune, aber halt auch nackte Erde mit hier und da etwas Schleimspur zurück.

Spontanes Aufbegehren meinerseits! Allerdings, Schneckenkörner oder alternative Massenvernichtungsmittel kamen nicht in Frage. Nach dem ich den ersten Schock verdaut hatte, ging ich daran jeden Tag unzählige kleinste schwarze Schnecken und auch grössere, aus dem Garten zu sammeln und sie etwas weiter weg neu anzusiedeln oder besser gesagt auszusetzen. Manch einer flog in hohem Bogen, wenn auch immer mit besten Wünschen zu einem guten Flug UND einer ebensolchen Landung. Bis zu dem Tag, wo mir schlagartig bewusst wurde, dass das eine Vorstufe zum Holocaust ist was ich betreibe. Der Schreck sass! Ich schrieb der lieben Freundin (die auch die Fortsetzung der Blogs wünschte), weil sie erstens eine begnadete Gärtnerin ist und sich zweitens schon länger mit Tierkommunikation beschäftigt. "Ich freue mich, dass die Schnecken in meinem Garten sind." schrieb sie. Ein banaler Satz, der aber seine Botschaft nicht verfehlte, und das traf mich mitten ins Herz. Nur, ob sie auch so viele Schnecken hatte wie ich?




Gartenfreude! Immerhin hat doch manches überlebt!



Stockrosen haben wir von fast schwarzblütig bis hellrosa mit zartgelbem "touch".



Ein neuer Grundsatz: auch Schnecken wollen respektvoll behandelt werden! Auch wenn sie zu Tausenden den Garten überfallen und womöglich gezüchtet aus China importiert sind... Autsch!

Eine Alternative wollte mir nicht einfallen, also üben wir den Dialog auf neuer Ebene, Schnecke und ich. Vieles kam in volle Blüte und Fülle, auf anderes verzichtete ich zu Gunsten der Schnecken. Nun kann man sagen, Blumen sind nicht gleich Gemüse - nur, wenn sie einem so am Herzen sind wie's Gemüse kommts auf's Gleiche raus, oder? Erstaunlicherweise benehmen sich auch die kleinen Schwarzen anständig. Nachbarin bemerkte, "... nun sind alle in meinem Garten!", aber das glaube ich ihr nicht.






Von dieser Schneckensorte war nicht die Rede. Aber ich konnte beim 
besten Willen im Garten nur eine einzige Nacktschnecke in fotografisch unvorteilhafter 
Position finden. Kommt mir seltsam vor, und ich kann mir das nicht erklären. 
Vielleicht ist es die Kälte, die sie sich verkriechen hat lassen...? Ich hoffe! 


Und seit mir die vielen vielen vielen Tausende von leeren, ausgetrockneten Schneckenhäuser im Erinnerungsbild sind die man zu dieser Jahreszeit in Griechenland antrifft - eben im heissen, trockenen, niemals enden wollenden Sommer - betrachte ich die Meinen mit einer liebevollen Zärtlichkeit. Auch jene ohne Haus auf dem Rücken.






Geeignete Sommerlektüre an Regentagen wie heute:
"Heute schon eine Schnecke geküsst?" von Eike Braunroth


*Auf letzte Woche blickend muss ich hierzu korrigierend erwähnen, dass sogenannte Wunder oder wundersame Zu-Fälle in unseren Breitengraden eventuell eine gewisse Entwicklungszeit benötigen, weil eben der Alltag so hektisch und fest strukturiert ist, weil man/frau eventuell und unter Umständen anders fokussiert ist - wohl damit ich sie nicht übersehe, erlebte ich nämlich gleich drei davon! 

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