Freitag, 19. August 2016

Schweiz usw.



Schöne Badi Twann...

Ich reiste mit dem Sommer oder er mit mir, in die Schweiz zurück. Das erleichterte den Übergang von jener Welt in diese und die Angewöhnung an das viele satte Grün. Zur präventiven Depressionsverhütung durfte ich auch sofort wieder ins Strandbad Twann zur Arbeit. Das war wunderbar! Der Sommer blieb zwei Tage, bevor er sich wieder davon machte und ich Socken und Wolljacke aus dem Schrank holte... Das war Ende Juni. Nach verschiedenen kurzen und längeren Schönwetterperioden ist es nun schon fast Herbst geworden und ich sitze in meinem Arbeitszimmer mit Socken und Wolljacke. Sie sagen der Sommer wird nächste Woche noch einmal voll aufdrehen. Vielleicht, das ist meine Hoffnung, ist die Wassertemperatur des Sees bis dann nicht ganz in den Winter abgerutscht, so dass man unser "Bieler-Meer" noch etwas geniessen kann. Das wäre schön. In unserem Strandbad haben wir nämlich Stammkunden, und die kommen von weit her. Von Biel und von enet dem See sowieso, aber auch von Selzach und Basel-Stadt! Unsere kleine Badi ist halt ein Insider und sehr besonders*.


...am schönen Bieler-Meer. 

Neben der Badi habe ich auch wieder in den Reben und in einem Garten den ich schon seit einigen Jahren betreue gearbeitet. Klein-Neffe-und-Nichte waren auch zu Besuch und wollten im Kinderwagen gestossen oder hier und dort "ufeglupft" werden. Ohne genau zu wissen wie mir geschah stand ich dann eines Abends in meinem Garten und konnte mich kaum noch bewegen... Tja. Hexenschüsse kommen nicht nur von schwitzend im Durchzugsitzen. Man kann sie sich auch erarbeiten. Die gute Seite daran ist, man hat plötzlich mehr Zeit zur Verfügung, spaziert öfters in der nahen Umgebung und überlegt sich allerlei Allgemeines übers Leben und Dasein, vielleicht auch, ob man selbst noch auf der richtigen Spur ist. Zu Letzterem kann ich derzeit nicht viel konkretes sagen. Zum Allgemeinen aber schon.



 Rosenwunder im Rebberg.

Währenddem ich nämlich in Griechenland Bäume pflanzte und meine neuen, kleinen Freunde wässerte, hegte und pflegte, wurde bei mir zu Hause ein ganzer Wald gerodet. 



Nun steht er ganz alleine da.


Zwar hat die Nachbarin in einem ihrer Mails von mehr Licht im Garten gesprochen, aber ich dachte, es müsse sich um die Tanne und allenfalls zwei weitere Bäume handeln. Ich war schockiert, als ich zurückkam und ein Schlachtfeld vorfand. Tatsächlich ist es nun so, dass wenn ich spazieren gehe, mich nicht mehr oder immer noch nicht zurechtfinde. Geografisch sozusagen. Da geht man jahrelang auf einem Weg. Und plötzlich ist neben dem Weg alles anders. Der Weg ist immer noch derselbe, aber auf Grund der veränderten Umgebung fühlt man sich seltsam desorientiert. Natürlich werden wieder neue Bäume wachsen. Man sieht sie schon ein bisschen. Aber trotzdem. Ein Nachbarskind war total betrübt und untröstlich, weil ihr Specht nun sein Daheim verloren hat. Wenn der Mensch weint, weint die Erde und alles um ihn herum mit ihm. Wenn die Erde weint, weint manch ein Mensch auch... Gross war deshalb mein Staunen, als ich sah, dass auf dem gerodeten Gelände - den Vögel sei es gedankt! - Sonnenblumen zu wachsen begannen. Jetzt blühen sie... bis zu zwei Meter hoch und noch mehr. Das ist wunderbar!



Nicht, dass ich meine, es sollten keine Bäume mehr gefällt werden. 
Nur, könnten wir das nicht auch anders angehen? 


 

 Der kleine Trost 1: das neue Grün strebt 
in unglaublicher Geschwindigkeit in die Höhe.

 

Erinnert mich, ehrlich gesagt, an Scheiterhaufen...



Der kleine Trost 2: Sonnenblumenpracht wo vorher Bäume standen.




Seltener Gast im Wald - Sonnenblume vor der Blüte.


Ich werde anfangs September wieder nach Griechenland reisen und das freut mich. Mittlerweilen ist auch klar, dass eine der zwei Wanderwochen stattfinden wird**.  Mit interessierten Menschen die Liebe zu Griechenland teilen, wandern, ins sommergewärmte Meer eintauchen... Das ist eine Freude!

Ja, und dann werde ich zu meinen Bäumen sehen.


sämtliche inhalte dieses blogs unterliegen dem copyright. 
 wenn nicht anders vermerkt: 
fotografien/texte © grüner atem / sandra dominika sutter



*Für Menschen die in der Nähe (Schweiz) wohnen: Herzliche Einladung ans Badi-Fest am 3. oder 4. September 2016, je nach Witterung. Information bei fragwürdigem Wetter: 032 315 21 53
Flyer kann heruntergeladen werden auf der Internetseite der Gemeinde Twann.

**wer will kann mitkommen, es hat noch Platz! Infos bei Imbach, Syros, September 2016.

Mittwoch, 15. Juni 2016

Insel mit den schönen Augen






Auch immer wieder schöne Insel Syros!



Wir haben Sommer – seit langem schon und wie richtig. Das ist schön, und wir geniessen es sehr. Auch wenn Wandern bei griechischer Hitze nicht so leicht zu ertragen ist. Einfach nur zum sagen. Ausserdem hatten auch wir einige Störungen mit starkem Regen und Gewitter und letztens hatten wir einen ganzen Tag lang seltsame Wolken und ziemlich heftigen und auch frischen Südwind der weisse Kronen aufs Meer zauberte und die Luft braun färbte. Nun ja, lange Erklärungen kurzer Sinn: wir haben es hier gerade umgekehrt wie in der Schweiz. Dort reden sie derzeit von „Gut-Wetter-Störungen“...


Also ich war mit den Flüchtlingen in Piräus und ich habe mit einer parea Bäume gepflanzt. Davon schrieb ich bereits. Für das Bäumepflanzen, resp. die Anstrengungen zur Verschönerung der Umgebung (wie das hier auch genannt wird), habe ich, haben wir schon einiges Lob erhalten, von Bekannten und von der örtlichen Zeitung. Das ist schön, nur, Bäume zu pflanzen ist ja keine Kunst. Sie gross zu bringen dagegen schon. Wöchentliches wässern, jäten, Schilf aushacken... Zur griechischen Osterzeit hatte ich eine Gruppe wanderfreudige Freunde hier. Wir durchlebten die Passionswoche, feierten Ostern zusammen mit Syrianern, genossen es uns in der Natur aufzuhalten, also zu wandern und auch, etwas für die Natur zu tun. Und so taten wir. Mein Dank und meine Freude sind gross! 




Woran zwei Hände lange arbeiten...



schaffen es viele in kürzerer Zeit.



Ich danke von Herzen sehr!


Und auch während meinen Abwesenheiten (ich war auf Kos und Karpathos), half ein Bekannter mit wöchentlichem Wässern aus. Auch ihm sei von Herzen gedankt! Meine Freude bei der Rückkehr: die Oleander blühen, die Tamarisken haben in alle Richtungen ausgeschlagen, die Johannisbrotbäumchen machten herzallerliebste kleine, neue Blättchen. Und bis jetzt haben alle gepflanzten Bäume überlebt. Stelios der pensionierte Schlosser der oberhalb unseres Grundstücks seine Werkstatt hat, schien sich auch zu freuen, lud er mich doch das letzte Mal als ich bei den Bäumen wässerte, zum ersten Mal zur Kaffeepause ein. Jedes Mal, wenn er jemanden von uns sieht, versucht er zu überzeugen, dass wir eine automatische Bewässerungsanlage installieren müssen, das wäre viel einfacher, und man hätte dann Zeit für anderes. Zum Beispiel zum Sitzen und Kaffeetrinken. Ich wiederum erkläre ihm jedes Mal, dass das nicht das Anliegen ist. Sondern dass es viel eher darum geht Zeit mit den Bäumen, mit dem Ort, und in der Umgebung zu verbringen. Sein pensionierter Freund Leftheris, der zufällig auch zum Kaffee dort war, verstand sofort was ich meinte. „Und der Schilf (kalamia) muss auch weg,“ auch das sagt Stelios jedes Mal, „sonst nimmt er die schöne Aussicht, und schliesslich wohne ich ja hier!“ Immerhin hat er dann doch sehr gestaunt, als die kalamia (oh, sie wachsen unendlich gut, üppig und schnell und im Moment noch immer wieder! Und ihre Wurzeln sind tief und fest im Boden!) ein paar Stunden später beseitigt waren. 




Kos Stadt.




Bizarre Steinformationen mit Bewohnern.


Und Kühe mit richtigen Hörnern gibt es auf Kos auch!



Und wie es zu meinen Ausflügen auf Kos und Karpathos kam? Nun auf Kos habe ich eine Reiseleiterin die für Imbach wandert aber nicht konnte stellvertreten, nicht dieselbe wie letztes Jahr. Und auf Karpathos habe ich eine Einführung erhalten, auch mit Imbach. Zusammengefasst: es war einfach schön! Und ich habe viel gesehen und erlebt! Teilweise war es etwas abenteuerlich, dies v.a. was die Reise Kos betrifft. Aber vielleicht gehört das zum Einstieg in ein neues Metier. Sozusagen Feuerprobe. Die Reise beinhaltete zwei Tagesausflüge auf die Nachbarsinseln Kalymnos und Nysiros. Und so gab es allerhand zu organisieren und sämtliche Wanderwege im Voraus abzulaufen. So weit so gut. Dann startete und endete die Wanderwoche mit für die Jahreszeit aussergewöhnlichen Regenschauern. Neben einem verknaxten Fuss und einem Sturz mit Blut (beides zwar ärgerlich für die Betroffenen, aber Gott sei Dank glimpflich!) gab es auch einen Bienenstich ins Gesicht mit bedrohlicher Schwellung und Gang ins Spital – dieser betraf mich. Wobei zu betonen ist, dass das Timing für den Stich sozusagen perfekt war, sodass das Tages- und auch weitere Programm ohne Einschränkungen durchgeführt werden konnte. War alles in allem eine besondere Erfahrung, wie das eigene Gesicht zur Unkenntlichkeit transformieren kann und wie es ist, mit so einem Gesicht der Öffentlichkeit ausgesetzt zu sein. Nichts desto Trotz erlebten wir viel Schönes auf der Insel des Hippokrates, und den anderen beiden. Üppige Natur, eine Vulkaninsel, interessante Steinformationen, nette Menschen, immer feines Essen, Zimmer mit Meerblick. Wobei die Koer dieses Jahr an, wie sie sagen, stark reduziertem Tourismus leiden. „Wegen den Flüchtlingen kommen die Leute nicht! Dabei haben wir gar keine mehr!“ Das Unverständnis ist gross. Als wenn sie nicht schon genug mit der Krise zu tun hätten, bleibt nun der erhoffte Tourismus aus. Eine fatale Kombination.



Schlafen, träumen und gesunden! Asklepieion Kos.


Einfach SCHÖN! oder?



Blick vom schönsten Berg-Kafenion von ganz Kos und eventuell 
überhaupt auf Alt-Pyli (hinter den Bäumen)!...




...und mit der schönsten Toilette; derzeit in der Schweiz nicht sehr kompatibel...



Vulkaninsel Nysiros: wunschlos glücklich ist man...



 

...wenn der Schwefelgeruch dank Windrichtung von einem weggeweht wird.



Kalymnos: Tag ein Tag aus schaut er in den Himmel...


Die Gäste reisten dann wieder nach Hause, und ich also nach Karpathos. Ja, Karpathos. Was für ein Flecken Erde der Berge und Wanderwege wie im Alpstein oder Berner Oberland offeriert! Und dieser Flecken liegt am Ende der Welt, möchte man sagen. Aber natürlich liegt er im Mittelmeer. Und zwar im schönsten Mittelmeer und das ist zwischen Kreta und Rhodos. 



 Viele Wege führen nach überall hin!



Die Reise mit dem Schiff war besonders. Auf dem letzten Stück Fahrt hatten wir sehr viel Wind und Wellen. Eigentlich gehört sich das so, wenn man zu einer wilden Insel fährt... Bevor mir ganz übel wurde, schaffte ich es gerade noch vom schönsten Platz des Schiffes ganz vorne bis in seine Mitte, wo es weniger schaukelte. 



Da ging es mir gerade noch gut. Je näher wir aber dem Flecken kamen, desto
wilder wurde die See, auch wenn sie hier nicht danach aussieht... 


Am Nebentisch sass eine kleine Gruppe älterer Menschen, die in einem griechischen Dialekt miteinander sprachen von dem ich nur ein paar Worte verstand. Vertrauter Klang von lange, lange her... Die Bluestar Ferry 2, eine riesige Fähre die viele Hunderte Passagiere und fast ebenso viele Autos transportieren kann, fuhr gerade mal ein paar Hand voll Reisende über die stürmische See. Ein paar Hand voll... Vor knapp 20 Jahren, als ich zum ersten Mal auf Karpathos war, war die Atmosphäre die gleiche, nur reiste ich damals mit dem Flugzeug.





Schönes, schönes Karpathos!


Die Farbigkeit, die in der Landschaft nicht zu finden ist, 
findet sich auf Fussböden.



Nun ja, das Bild von Pigadia, dem Anlegehafen - heute auch Karpathos Stadt genannt - hatte ich nicht mehr so genau im Gedächtnis. Äusserlich hat sich einiges verändert: es gibt Supermärkte mit Parkgaragen, wenige, jedoch edle Hotelkomplexe gleich am Meer, schicke Lokale... all das nur im Hauptort, wohlverstanden. Ansonsten keine grossen oder modernen Hotelanlagen, vielleicht ein paar neue Häuser. Aber die Stimmung von damals war mit dem Betreten der Insel sofort wieder da, die Inselbewohner sind wie sie waren: etwas wild und eigen, mit herbem Charme und... schönen Augen!... ach... Es war wie heimkommen - obwohl ich damals nicht einmal eine besonders glückliche Zeit erlebte, wofür die Insel und auch die Menschen aber nichts konnten. 
 


Eigentlich könnte man sagen ist Karpathos ein einziger Berg - mit Ausnahme des südlichsten Zipfels, auf dem auch der Flughafen ist. Dort ist man plötzlich mit einer Einöde konfrontiert, bei deren Anblick man sich fragt, "Wo um Himmelswillen bin ich gelandet???" Diesen Kontrast und auch andere, muss man aushalten können, wenn man hierher kommt...



Meine grösste Überraschung: so perfektes von Griechen gesprochenes Englisch wie hier habe ich nicht einmal auf Kos gehört, wo ich gerade herkam. Sogar die Verkäuferin an der Kasse im kleinen Supermarkt dessen Auswahl in den Gestellen an eine Zeit des Kommunismus erinnert, blieb stoisch beim "Yes please?".  Das hat damit zu tun, dass Karpathos eine klassische Auswandererinsel war. Die Menschen reisten nach Australien, USA oder Kanada um der Not zu entrinnen. Evt zu Ostern, aber ganz sicher im Sommer kamen sie regelmässig zurück in die Ferien. Man nannte sie auch Frisbees. In die Ferne geworfen um zu überleben... aber immer wieder zurückkehrend. Einige wurden krank oder verrückt vor lauter Heimweh nach ihrer Insel. 




Einschlafen und Aufwachen mit Meeresrauschen... braucht man mehr?



Herrliche Landschaften...



...und für das schönheitsliebende Auge ästhetische Zumutungen! 
Eigenwillige Bauweise, immerhin zugunsten der Palme!


Ich kam einen Tag vor der Wandergruppe an, übernachtete in Pigadia, und sollte anderntags nach Lefkos in unser Hotel. "Ein Bus nach Lefkos? Nein, den gibt es nicht zu dieser Jahreszeit, das heisst, schon, aber nur jeden zweiten Tag." "Ein Taxi? VIEL zu teuer! Besser Du mietest ein Auto - hast Du einen Fahrausweis?" "Ich würde Dich hinfahren... aber morgen muss ich gerade nicht dorthin." Damals sagte mir jemand der öfters hier war: "Um Kaprathos und seine Bewohner zu verstehen muss man mit ihnen erst einen Sack Salz futtern." Ich hatte sie nicht nach der Grösse des Sackes gefragt. Schliesslich entschied ich mich für das Taxi bis zum Flughafen (das war vielleicht ein Drittel des Weges bis zum Ziel) mit dem gleichen Taxifahrer, der mich tags zuvor vom Hafen ins Hotel in Pigadia gefahren hatte. Und das war ein Volltreffer, denn, so hat es sich unterwegs im Gespräch herausgestellt, war er einer der beiden Fahrer für unsere Imbach-Gruppe. Am Flughafen also traf ich die Gruppe und Reiseleiterin und fuhr mit ihnen gemeinsam in „meinem“ Taxi ins Hotel Krinos in Lefkos. 




Unberührte Natur.


Besonders.




Diafani, verschlafenes Dörfchen am Meer...



...mit schönen Augen an Hausfassaden.



Das typische Frühstück ist: Oliven, Paximadi (getrocknete Brotstücke), 
Käse, je nach Saison in Essig eingelegte Karpernblätter. 
Für Touristen tischen sie aber auch Brot, Butter und Marmelade auf.



Ja, und dann war ich damit beschäftig Höhenmeter zu bewältigen: 1100 m hoch und genau so viele wieder runter, im Wechsel und in Varianten. Nicht nur wegen dem dichten Wander-Programm hatte ich keine Zeit zum Schreiben. Einerseits bekam ich eine Einführung in die Tour und ins Reise-Leiten und deshalb gabs mit der Reiseleiterin viel auszutauschen. Andererseits tat auch die schlechte Verbindung in den Orbit das ihre dazu. Das ist eben so auf Karpathos – man lebt in einer anderen Zeit. Die Strasse von Olympos, dem schönsten Bergdorf in der ganzen Ägäis und mit regem Tourismus wohlverstanden, nach Pigadia wurde erst vor zwei Jahren asphaltiert! Damals, also vor 20 Jahren, hatte ich das Glück, dass mich jemand mit dem Pickup von Olympos nach Pigadia mitnahm, auf der Naturstrasse, ca.50 km... Öfteren Busverkehr gab’s (und gibt’s auch heutzutage) nur in der Hochsaison, das heisst während ein paar Wochen im Jahr. 



Der schönste Berg beim schönsten Dorf...



Olympos: wahrlich das schönste Bergdorf in der gesamten Ägäis!



Und hinter allem steht die Mutter mit dem Kind... 
In Olympos herrscht noch das Matriachat. 
Das heisst, die älteste Tochter erbt den gesamten Besitz der Mutter.




Und genau auf diesem Flecken Erde findet man Griechenland wie es einmal war: ein bisschen unperfekt, etwas schlitzohrig, herzallerliebst und... mit den schönsten Augen! Ein Flecken Erde, an den die Seele immer wieder zurückkehrt. Ich merke das daran, dass ich nun gelegentlich meine, ich würde diese und jene Menschen in meinem Alltag treffen, bis mir bewusst wird, dass diese und jene Menschen auf Karpathos sind und ich schon wieder auf Syros bin. Tja. Da gibt es nur eines, oder?




Abendstimmung. Blick von Olympos in den Westen.


Bis es wieder soweit ist, verbringe ich erst noch ein paar Tage auf der auch schönen Insel Syros, kümmere mich um meine Bäume, bevor mein Aufenthalt in meinem geliebten Ellada sich ehrlich gesagt sehr leider seinem Ende nähert und ich erst einmal wieder zurück in die Schweiz muss. Natürlich werde ich wieder kommen. Aber ist das ein Trost? Zumal dort noch immer kein Sommer in Sichtweite ist! Was die Bäume betrifft, wird eine liebe Bekannte, die ihre restliche Lebenszeit der Natur verschrieben hat, während meiner Abwesenheit wässern. Ich danke von Herzen sehr!

Wen die Sehnsucht gepackt hat und drum auf Karpathos zu wandern es wagen will (5 Männli) kann das mit Barbara im September tun:
http://www.imbach.ch/suche/?buchungscode=wakarp



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Freitag, 8. April 2016

"Sister! Sister!" und der wachsende Wald

Seit Mitte März bin ich also wieder in Griechenland mit einem verhältnismässig dichtem Programm. Als erstes war ich wenige Tage auf meiner Insel, um Vorbereitungen betreffend meinem Baumpflanzprojekt "Chara Zois - Joy of Life" zu treffen. Es ging nicht alles ganz so schnell wie geplant und gewünscht, und so übernahmen Freunde die nächsten Schritte - ein grosses Dankeschön! - während meiner Abwesenheit in Athen (Freiwilligen Arbeit für die Flüchtlinge).




...und wer sortiert das alles? Kleiner Ausschnitt der grossen, grossen und bis an die Decke gefüllten Halle - 
und: es ist nur eine von vielen!

Wearhouse Piräus/Athen
Wir, das waren mit Annette Kaiser eine 11 köpfige Gruppe aus der Schweiz und aus Deutschland. Da ich oft in Griechenland bin, und auch Griechisch spreche, war ich für die Organisation, Unterkunft, und das leibliche Wohl während unserem ein-wöchigen Aufenthalt über Ostern zuständig. Emily von der Heilsarmee Athen schickte uns für unseren Einsatz in den Hafen von Piräus. Dort lernten wir Sotiris kennen, einen herzensguten Griechen, der sozusagen den Überblick, sofern man das haben kann, über die Flüchtling-Camps im Hafen und die vielen Volontäre hat. Unser Ärzteteam inkl. Assistenz wurde sofort abberufen. Wir anderen wurden ins ehemalige Basketball Stadium neben dem alten Flughafen in Athen zum Kleider sortieren geschickt. Ehrlich gesagt, waren wir anfangs ziemlich überfordert beim Anblick der Berge von Schachteln. Immerhin schafften wir es innerhalb einiger Stunden, ein paar Säcke zu leeren und deren Inhalt in die richtigen Schachteln zu sortieren. Dennoch blieb nach getaner Arbeit ein ziemlich grosses Fragezeichen und eine gewisse Ratlosigkeit.



Kinder im Hafen von Piräus vor einer Blue Star Fähre.


Ab Tag zwei hielten wir uns in der Nähe unseres Ärzteteams (sie konnten einen leerstehenden Wohnwagen als Arztpraxis umfunktionieren) im Hafen auf und machten uns mit allerhand alltäglichen Handlungen nützlich. Offengestanden hatte ich mehrere Male den Eindruck, der Tropfen verdunstet schon auf dem Weg zum heissen Stein... zum Beispiel beim Toiletten putzen. Kaum geputzt, schon wieder wie grad eben erst... Wir kauften Waschbecken, Bälle, Schwämme, Abfallsäcke, Wasser usw. Husch, und weg waren sie... Nun ja, in unserem Wearhouse waren viele Menschen untergebracht. Eine Schätzung war um die 1000... und so taten wir, was grad anfiel: eben Toiletten putzten, Abfall sammeln, wir spielten mit Kindern, organisierten zwei Tage Mütter-Baby-Waschen in der Hebammen Station, die ebenfalls aus einem Wohnwagen bestand, bauten Gestelle für die Materialausgabe einer anderen Freiwilligen Gruppe, sprachen mit den Menschen; manchmal nur mit den Augen, dann mit Händen und Füssen, mit einem Lachen oder auf Englisch. Und die Kinder riefen: "Sister! Sister!" Unsere Ärzte arbeiteten unaufhörlich. In kürzester Zeit fanden sich die unentbehrlichen Übersetzer. 
  


Und die Chinesen werden kommen - Yang Ming in Sichtweite. 
Der Hafen ist an die Asiaten verkauft und soll in den nächsten Wochen von den Flüchtlingen geräumt sein.
Das ist zumindest die Idee oder nur ein Gerücht?



Für mich war es ausserordentlich beeindruckend, wie es möglich ist, dass so viele Menschen aus verschiedenen Kulturen, meist die andere Sprache nicht beherrschend auf kleinstem Raum, unter katastrophalen Verhältnissen ohne grosse Zusammenstösse nebeneinander leben können. Natürlich gab es kleine Gerangel um irgendetwas. Aber in all dem, und mit all ihren Geschichten nun auch noch die Ungewissheit aushalten, wie es mit dem eigenen Leben weiter geht, an einem Ort wo man nicht hin wollte und auch nicht sein möchte - das finde ich besonders. Und natürlich haben wir viele Menschen getroffen, die traumatisiert sind von dem was sie erlebt haben und immer noch erleben. Eines Morgens als wir in den Hafen kamen, konnten wir ein hohes Potential an Aggression in der Luft spüren. Mahmud der Kinderarzt aus Syrien erzählte mir später, einer hätte mitten in der Nacht die Nachricht verbreitet, die Grenzen in Idomeni seien wieder geöffnet. Nach einem euphorischen Freudesausbruch kam dann der Sturzflug, als sich herausstellte, dass es ein falsches Gerücht war...
Besonders finde ich auch und immer wieder aufs Neue die Solidarität und die Gelassenheit der Griechen, was sicherlich zum "friedlichen Klima", wenn man es so nennen kann, beiträgt. 




Warten. Gegensätze.


Für vieles des Erlebten gibt es keine Worte. Wir wurden jene Male total erschüttert und zutiefst im Herzen berührt. Wir schlossen Freundschaften, tauschten Email-Adressen und Telefonnummern aus. Und am letzten Abend im Hafen war es manchem von uns zittrig ums Herz, ein Gefühl einhergehend, mit unserer Abreise die Familie zurückzulassen... Verschiedene von uns engagieren sich nun von Daheim aus, um etwas in Bewegung zu setzen und zu halten.




Das Herz weinte, als mein Schiff aus dem Hafen fuhr... die grosse Frage: was wird aus all diesen Menschen?



Der wachsende Wald


Was wie ein kleines Häufchen aussieht, sind knapp 50 Bäume!


Ja, und nun bin ich wieder auf der Insel. Und ich habe Bäume gepflanzt (mein Projekt "Chara Zois - Joy of Life"), zusammen mit anderen helfenden Händen, ca 80 Stück, inkl. drei Bäume in Erinnerung an die Flüchtlinge. Während meiner Abwesenheit (Athen), unter Anleitung und Aufsicht einer Freundin, wurden die notwendigen Löcher maschinell gegraben (Dank Nikos, dem ehemaligen Antidimarchos und leidenschaftlichen Bäumepflanzer, und der Stadtverwaltung mussten wir nicht buddeln...). Und dann wurde gepflanzt, da war ich dann auch wieder mit dabei! (Einige wenige von den 80 wachsen nun in privaten "Chara-Zois"-Gärten. Dazu gibt es zu einem späteren Zeitpunkt ein Mapping.) Nun bleibt noch die Kosmetik und die Organisation des Bewässerungplanes während meinen Abwesenheiten. Ich wohne ja (noch) nicht hier. Nun, wenn dieses Anliegen so geschmeidig geht wie der vorherige Prozess (innerhalb weniger Monate stehen nun Bäume, wo voher noch niemand welche fantasiert hatte...) habe ich keine Sorge. Das alles so zügig ging ist dem Zufall oder der Bestimmung zu verdanken, die richtigen Menschen mit den nützlichen Verbindungen zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu treffen, und der Unterstützung lieber Freunde.




Chara Zois nimmt Gestalt an.


Das Wasser das wir zur Bewässerung benötigen wird von der Abwasserreinigungsanlage zur Verfügung gestellt, die oberhalb des bepflanzten Grundstücks steht - ansonsten würde es ungenutzt ins Meer fliessen. Der Verein der Kreter, der vor Jahren eine Stück Land in der Nähe unseres Grundstückes mit Bäumen bepflanzt hat, hatte von unserem Vorhaben Wind bekommen und kurzerhand ihr verwilderndes Grundstück rausgeputzt und zu einem im Moment noch etwas "nackten" Park umgestaltet. Die Zusammenarbeit, wir brauchen vom gleichen Wasser, gestaltet sich hervorragend. Am 17. April - in Griechenland Nationaler Landschafts-Putztag - werden wir gemeinsam den uns zu Füssen liegenden Strand säubern. Es wird, das weiss ich jetzt schon, ein Festtag werden!

Meine Vision für den "Chara Zois Park" ist, jemanden für ein kleines Einkommen anzustellen, der wässert oder zu gegebener Zeit etwas jätet, wenn ich nicht auf der Insel bin, und wenn sich nicht genug andere Hände finden lassen. Ausserdem wäre es sinnvoll, bei Gelegenheit eine automatische Bewässerungsanlage zu installieren. Sollte das Konzept Erfolg zeigen (Bäume für ein gutes Klima - ohne Klima keine Natur - ohne Natur kein Leben!  und Menschen die sich darin engagieren), wird sich ein weiteres Stück Land für nächstes Jahr finden lassen.

Wer sich angesprochen fühlt, das Projekt finanziell (Baumpatenschaft/Sponsoring) oder tatkräftig (auf eigene Anreise- und Aufenthaltskosten) zu unterstützen, nimmt gerne Kontakt mit mir auf.


 
Drei Bäume im Zusammenhang mit dem Projekt "Chara Zois - Joy of Life" für die Flüchtlinge gepflanzt, 
damit wir nicht vergessen. Mit Blick aufs Meer und auf Ermoupolis / Syros -
die Stadt, die einst von Flüchtlingen erbaut wurde.


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Dienstag, 23. Februar 2016

Irgendwie unheimlich, oder?



Weihnachtsdekoration in Athen Dezember 2015.


Hatten wir gerade noch Januar? Weihnachten? Und, eben erst war ich doch noch auf Syros... Mein Kalender scheint sich verselbstständigt zu haben und rast bereits dem nächsten Jahresende entgegen. Das ist nicht nur meine Empfindung. Verschiedene in meinem Umfeld bemerken eine ähnliche Hektik in der Atmosphäre. Ich für meinen Teil nehme mir Ruheinseln heraus, aber auch die scheinen es eilig zu haben und sind, auch wenn sie in fast endlos freier Weite erscheinen, husch und viel zu schnell vorbei. Ehrlich gesagt, ich verstehe das nicht so richtig. Aber das Nicht-Verstehen ist wohl auch, wie die hohe Geschwindigkeit, ein globales Phänomen. Eine Freundin hat es so formuliert: "Heute scheint die Sonne "es früheliget", in den Nachrichten immer mehr "Eiszeit"". Ich frage mich in letzter Zeit öfters, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind, als Menschheit, meine ich.



 

Vermeintlich zeitlose, goldene Weite - Inseldasein, Syros.



Ich war nach letztem Sommer noch einmal im Spätherbst auf Syros. Zum Blog schreiben blieb mir keine Zeit. Ich war mit alten und neuen Freunden beschäftigt neue Projekte aufzugleisen. Zum Beispiel Bäume pflanzen, um nur eines zu nennen. Einige von Euch erinnern sich vielleicht (die Heimliche und der grüne Atem - 9. März 2014). Das wird nun konkret. Wie ich soeben erfahren habe, werden die bei der Stelle für Forstwirtschaft in Ermoupolis bestellten Bäume nun doch in zwei Tagen von der Nachbarsinsel Paros nach Syros verschifft, nachdem in Aussicht gestellt wurde sie mangels Geld erst im Herbst zu liefern. FREUDE HERRSCHT! (dieser Ausdruck ist von einem berühmten Schweizer Ex-Bundesrat entlehnt). Mehr dazu im Verlaufe des Frühlings.


  

Wenn das kein gutes Omen ist: Regenbogen während der Besichtigung des evt. zu bepflanzenden Grundstücks.



Kaum wieder zu Hause, wollte eine Arbeit, die ihre Weile hatte, fertig realisiert werden: das Projekt für angewandte Kunst im Eingangsbereich Spitalzentrum Biel - Bienne  bekam grünes Licht, und sollte womöglich noch vor Jahresende realisiert werden. Immerhin, in den ersten Januartagen war es vollbracht. Es kann jederzeit und bis auf Weiteres besichtigt werden. Freude!
Und weil es sozusagen fast im Gleichen ging, habe ich meine Homepage wieder einmal aktualisiert: auf der Eingangsseite (5 Bilder im Wechsel), auf "zeichnungen", "vita", "jetzt" und "vision" gibt es etwas Neues zu sehen oder zu lesen.

http://www.grueneratem.ch/home.php/ 

Ich tat noch vieles andere. Zum Beispiel meinen verschiedenen Broterwerbstätigkeiten nachgehen. Eine äusserst langwierige und variantenreiche Grippe ohne Fieber zur Genesung pflegen. Und in Vorbereitung einer Ausstellung im August bin ich mittlerweilen auch.
 
Und eben: "heute scheint die Sonne!" das war gestern, vorgestern oder je nach dem schon länger her, auf jeden Fall hatten wir hier in der Schweiz gerade zwei Tage lang richtigen Frühling! Das Gezwitscher der Vögel im Wald am frühen Morgen, sieben Rehe friedlich auf der Wiese weidend, die Milde in der Luft und in den Farben des beginnenden Tages - unglaublich! Wahrlich unglaublich!

Ich bin eine bekennende Warme-Temperaturen-Liebhaberin, von daher gesehen kann der Frühling für mich fast nicht früh genug kommen. Aber der tägliche Gang durch meinen Garten an besagtem ersten Frühlingstag hat mich ins Stutzen gebracht, um nicht zu sagen in eine Art Bestürzung. Der Nachbar, Gärtner von Beruf, lachte ob meinem Schock und meinte nur: "Freue dich, es ist Frühling!" Tatsächlich leuchten in meinem Garten vier Zwergiris in ihrem schönsten Blau. Daran mag nichts besonderes sein. Letztes Jahr (siehe Blog vom März 2015) waren sie drei Wochen später. Ein Jahr etwas früher, ein Jahr etwas später, das gibts. Nur, am Tag zuvor war da noch nix. NIX! Nichts deutete darauf hin, dass da etwas Bezauberndes aus dem Boden kommen sollte. Und dann, innerhalb weniger Stunden schiesst ES aus der Erde und blüht SOFORT! Als wenn da keine Zeit mehr wäre, es so wie immer zu tun... Ich weiss nicht. Bei aller Schönheit und Freude, irgendwie unheimlich, oder?



 

Ein Wunder im Garten.



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